Dem Rhein fehlt Wasser
Dem Rhein fehlt Wasser Bild © Ulrich Rückert/Montage hr

Der Wasserspiegel des Rheins hat einen historischen Tiefstand erreicht. Er dürfte in künftigen Trockenperioden sogar noch weiter sinken: Denn die Alpengletscher werden in wenigen Jahrzehnten kein Wasser mehr zuliefern. Muss der Fährmann bald aufs Floß umsteigen?

Videobeitrag
hessenschau

Video

zum Video Niedrigwasser am Rhein

Ende des Videobeitrags

Der Rheinpegel in Kaub hat mit unter 35 Zentimetern einen historischen Tiefstand erreicht. Die Fähre Lorch - Niederheimbach kann seit Tagen nicht mehr fahren. In Bingen, gegenüber von Rüdesheim, gibt es Niedrigwassertouristen. Sie sammeln Muscheln, laufen zum Mäuseturm und eine Frau verspürt sogar den Drang, dem Rhein zu helfen, indem sie mit dem Eimer Wasser nachkippt. So wenig Wasser führt der Fluss, dass sein Bett schon für Spaziergänge taugt. Das ist für viele aber nicht nur schön, sondern auch beängstigend.

Floß statt Fähre?

Auch Fährbetreiber Michael Schnaas hat im Sommer den Fluss mit Badehose abgeschritten und nach der tiefsten Fähr-Strecke gesucht. Diese Route ließ er dann für viel Geld von einem Spezialbagger vertiefen. Doch der Bagger stieß bald auf felsigen Untergrund. Tiefer ging nicht. Schnaas musste mit seiner Flachwasserfähre aufgeben - er bräuchte ein Floß.

Auch die Köln-Düsseldorfer Rheinschifffahrtsgesellschaft fährt nicht mehr. Ihre Linienschiffe erreichen wegen des flachen Wassers am Ufer viele Anleger nicht mehr. Überhaupt ist es auf dem Rhein ruhig geworden: Frachtschiffe können keine Container mehr laden. Sie bekämen zu viel Tiefgang. Logistikunternehmen weichen auf Straße oder Bahn aus und verlangen dafür einen Aufschlag.

30 Prozent weniger Regen

Bildergalerie

Bildergalerie

zur Bildergalerie Das hat die Hitzewelle mit dem Rhein gemacht - Bilder vom August 2018

Ende der Bildergalerie

Kaub ist die rheinland-pfälzische Nachbarstadt des hessischen Lorch. Der Kauber Pegel ist maßgeblich für die Schifffahrt. Noch nie war er so niedrig wie jetzt, und der Wasserstand fällt weiter. Die Prognose sieht für die kommende Woche einen Pegel von nur noch 21 Zentimetern vor. Das ist weit unter dem bisher niedrigsten Stand: Der lag im Jahr 2003 bei 35 Zentimetern.

Fährbetreiber Schnaas rechnet in Zukunft mit immer häufigerem Niedrigwasser, auch im Sommer. Typisch ist im Rhein eigentlich Niedrigwasser im Herbst. Doch dieses Jahr gibt es schon seit den Sommermonaten niedrige Pegel. Schuld ist natürlich der fehlende Regen. Hydrologe Sebastian Wrede vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) erklärt, von Februar bis jetzt habe es rund um den Rhein 30 Prozent weniger Regen als üblich gegeben.

Gletscherschmelze verschärft bald Wassermangel

Dem Rhein fehlt Wasser
Die Pegelstände am Rhein sind seit Monaten auf Talfahrt Bild © Ulrich Rückert/Montage hr

Und es geht weiter bergab, und daran ist nicht allein der Regenmangel schuld. Denn ab jetzt fehlt auch noch das Gletscherwasser aus den Alpen. Das bringt im Sommer immer einige Zentimeter mehr, sagt der Wasserkundler.

Das Gletscherwasser kommt übrigens ohnehin nicht mehr lange. Schon in 30 Jahren, ab 2050, schätzt Wrede, ist ein Großteil der Gletscher in der Schweiz geschmolzen. Das wird auch Auswirkungen auf den Rhein haben: Im Sommer wird der Wasserstand dann oft etliche Zentimeter tiefer liegen. Und auch wenn es durch den Klimawandel in den Alpen weniger schneit, wird das hier spürbar sein.