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Audioseite Keine heiße Spur zu Giftanschlag in Darmstadt

Gebäude L2.01 an der TU Darmstadt

Mehr als 1.000 Hinweise, aber keine heiße Spur: Nach dem Giftanschlag an der TU Darmstadt geht die Staatsanwaltschaft von sehr langwierigen Ermittlungen aus. Das Team der Mordkommission, das den Fall klären soll, wurde noch einmal vergrößert.

Im Fall des Giftanschlags an der Technischen Universität (TU) in Darmstadt verfolgen die Ermittler inzwischen eine vierstellige Zahl an Hinweisen. Eine heiße Spur war bislang jedoch nicht darunter, wie die Staatsanwaltschaft Darmstadt am Freitag mitteilte. Die Größe der exklusiv an dem Fall arbeitenden Ermittlungsgruppe wurde von 40 auf 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgestockt. Ermittelt wird wegen des Verdachts des versuchten Mordes.

Kein konkreter Tatverdacht

Bislang gibt es keine konkreten Verdächtigen. Auch zu einem möglichen Motiv hat die Staatsanwaltschaft bislang keine Erkenntnisse. Hinweise auf eine politisch motivierte Tat liegen ebenfalls nicht vor. Insbesondere gebe es keine Bekennerschreiben oder Ähnliches.

Bislang seien die Vergiftungsopfer sowie zahlreiche Zeugen aus dem näheren Umfeld der Hochschule befragt worden, unter anderem vom Sicherheitsdienst oder der Gebäudereinigung, wie es weiter hieß. Die Anzahl der vernommen Personen liegt mittlerweile im mittleren zweistelligen Bereich.

Am 23. August waren an der TU bei sieben Menschen schwere Vergiftungserscheinungen aufgetreten, nachdem sie einem Gebäude des Fachbereichs Material- und Geowissenschaften am Campus Lichtwiese etwas getrunken hatten. Zwei hatten bläuliche Verfärbungen an Händen und Füßen, ein 30-Jähriger schwebte zeitweise in Lebensgefahr. Bei den übrigen seien neben Unwohlsein keine weiteren Symptome aufgetreten.

Art des Gifts bleibt geheim

In Blut und Urin von sechs der Betroffenen wurden Giftstoffe entdeckt, die wahrscheinlich auf die Einnahme kontaminierter Lebensmittel zurückzuführen sei, so die Staatsanwaltschaft. Die abschließenden Ergebnisse stünden noch aus. Um welche Stoffe es sich handelt, will die Behörde aus ermittlungstaktischen Gründen weiterhin nicht mitteilen, da es sich um Täterwissen handele.

Nach früheren Mitteilungen hatte jemand Milchpackungen und Wasserbehälter mit einem giftigen Stoff versetzt. Betroffen waren drei Teeküchen im Gebäude L2.01. Dieses hat noch eine alte Schließanlage, eine elektronische Erfassung gibt es nicht.

Langwierige Ermittlungen erwartet

Es zeichne sich ab, dass die Ermittlungen angesichts der umfassenden Spurenlage und zahlreichen Ermittlungsansätze "eher einem Marathonlauf denn einem Sprint" gleichkommen würden, hieß es. Mit Ergebnissen, deren Veröffentlichung den Ermittlungserfolg nicht gefährden würden, sei zeitnah nicht zu rechnen.

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