Weil das historische Marburger Wehr ohnehin saniert werden muss, wollte die Stadt dort eine Aussichtsplattform aus Beton und eine Kanurutsche integrieren. Dagegen hat sich Protest geregt - und das offenbar sehr erfolgreich.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Grüner Wehr in Marburg bleibt ohne Kanurutsche und Partypodest

Zwei Marburger erfrischen sich an einem heißen Tag vor toller Kulisse in der Lahn.
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Der Konflikt um die 800 Jahre alte Anlage "Grüner Wehr" in Marburg könnte etwas zur Ruhe kommen. Das historische Wehr in der Lahn gilt schon lange als instabil und muss saniert werden. Im Raum steht seit zwei Jahren die Frage, ob die Stadt in dem Zuge auch eine Art Aussichtsplattform aus Beton und eine Rutsche für Kanus einbaut.

Dieses Vorhaben wollen Marburger Bürger mit einer Petition verhindern. Die idyllische Gegend um das Wehr beim zentralen Stadtteil Weidenhausen ist ein beliebtes Naherholungsgebiet und trägt unter Marburgern den Beinamen "Klein-Venedig". Die Bürgerinitiative fordert eine naturschonende und denkmalgerechte Sanierung – ohne Betonplattform und Rutsche. Die Befürchtung: Das Wehr könnte zur Partyzone werden, dadurch könnte sich das Sicherheitsgefühl verschlechtern.

Sanierung ohne "Gimmicks"

Nach Angaben der Bürgeriniative unterschrieben rund 4.000 Personen eine entsprechende Petition. Auch Politiker wie der hessische Linken-Chef Jan Schalauske, der aus Marburg kommt, sprachen sich für eine Sanierung aus, die Umwelt- und Denkmalschutz berücksichtigt. 2018 ging die Stadt mit einem offenen Bürgerworkshop auf die Proteste ein, um in den Dialog mit den Bürgern zu treten. Seitdem gab es keine neuen Informationen zum Stand der Planung.

Nach einer jüngsten Aussage des Bürgermeisters Wieland Stötzel (CDU) sind die Unterzeichner ohnehin auf einer Linie mit der Stadt: Marburg wolle keine Aussichtsplattform aus Beton einbauen. Das stehe schon seit 2018 fest und sei ursprünglich ein Plan seines Amtsvorgängers gewesen. Auch die Kanurutsche habe sich "erledigt", weil es keine politische Mehrheit dafür gebe. Zuerst hatte die Oberhessische Presse darüber berichtet. Stötzel sagte der Zeitung: Das Wehr solle möglichst kostengünstig und ohne "Gimmicks" saniert werden.

Wie genau die Sanierung aussieht, steht jedoch weiterhin nicht fest. Mitte Mai soll ein neues Gutachten vorliegen. Davon hängt dann auch, ob und wie viele alte Linden am Ufer gefällt werden müssten, um eine Bauzufahrt zu ermöglichen. Stötzel sagte: "Unabhängig vom Ergebnis des Gutachtens ist das Ziel, das historische Erscheinungsbild des 'Grüner Wehrs' zu erhalten."

Sendung: hr4, Die Hessenschau für Mittelhessen, 7.2.20, 12.30 Uhr