Blick in eine Fußgänger-Unterführung, deren Wände bunt mit Graffitis besprüht sind.

Der Bahnhof in Gelnhausen soll modernisiert und umgebaut werden – Stand jetzt aber ohne Fußgängerunterführung. Denn die Kosten in Höhe von 16 Millionen Euro kann oder will niemand bezahlen. Viele Pendler aus der Region fühlen sich abgeschnitten.

Videobeitrag

Video

Streit über Bahnhofunterführung in Gelnhausen

hs_240822
Ende des Videobeitrags

Es ist ein typisches Bild am Bahnhof in Gelnhausen (Main-Kinzig): Wenn die Züge einfahren, dann eilen viele Menschen aus dem benachbarten Linsengericht durch die Unterführung. "Es ist der schnellste Weg zum Bahnhof: Einmal unter den Gleisen durch", sagt Bahnfahrerin Gina Ehrlich. Der Pendler Christoph Koch ergänzt: "Die meisten parken eben hier. Da drüben gibt es keine Parkplätze."

Da drüben – das ist Gelnhausen. Der Bahnhof und seine Gleise markieren die Stadtgrenze. Auf der anderen Seite liegt die Gemeinde Linsengericht. Von dort, aber auch aus Nachbarkommunen wie Freigericht oder aus dem benachbarten Bayern kommen zahlreiche Pendlerinnen und Pendler an den Gelnhäuser Bahnhof. In Linsengericht steigen sie aus dem Bus oder parken dort ihre Autos – um dann durch besagte Unterführung zu gehen.

Blick von oben über den Bahnhof. Es sind Gleise, Bahnsteige und ein vollgeparkter Parkplatz neben dem Bahnhof zu sehen.

Bahnhof soll umgebaut werden

Doch genau das könnte bald ein Ende haben. Weil der Gelnhäuser Bahnhof modernisiert und umgebaut werden soll, soll die alte Unterführung geschlossen und ein neuer Durchgang gebaut werden. Die Pläne dazu sind schon lang bekannt. Die Deutsche Bahn ging in ihren Planungen allerdings bisher davon aus, dass die Stadt Gelnhausen für diesen Neubau zahlen wird.

Doch die Stadt lehnt das ab. Denn sie hat vor wenigen Jahren bereits eine andere Unterführung errichten lassen. Damit hat sie nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz ihre Pflicht getan und muss deshalb für die neue Unterführung nicht zahlen.

Lange Rampen einer barrierefreien Fußgänger-Unterführung.

Linsengericht will nicht bezahlen

"Nachdem sich die Stadt Gelnhausen kürzlich aus der bestehenden Kreuzungsvereinbarung zurückgezogen hat, stellt sich nun die Frage der Finanzierung der neuen Personenunterführung", teilt eine Sprecherin der Deutschen Bahn schriftlich mit und bringt die Gemeinde Linsengericht ins Spiel: Weil die Unterführung auf Linsengerichter Gemarkung endet, soll die kleine Gemeinde nun zahlen: nach Angaben der Deutschen Bahn satte 16 Millionen Euro.

"Wir lehnen das ab", erwidert Linsengerichts Bürgermeister Albert Ungermann (SPD) bestimmt. Für seine 10.000-Einwohner-Gemeinde ist klar: "Wir können das gar nicht finanzieren, das sprengt unseren Haushalt!". Doch wenn weder Gelnhausen noch Linsengericht zahlen, bedeutet das aktuell, dass die geplante Unterführung so nicht gebaut wird.

Für die Pendlerinnen und Pendler aus der Region ist das ein Schock. Denn die müssten dann in Zukunft auf die andere Seite des Bahnhofs nach Gelnhausen, also Umwege fahren und dafür mehr Zeit einplanen. Sie fürchten ein Verkehrschaos auf Gelnhäuser Seite, fühlen sich verhöhnt und sprechen von einem Schildbürgerstreich.

Bahn prüft, ob Fördergelder fließen

Audiobeitrag

Audio

Bahn, Bund, Gemeinde: Wer zahlt die geplante Unterführung am Bahnhof Gelnhausen?

Ende des Audiobeitrags

Für viele Menschen ist klar: Schuld an der Situation hat die Deutsche Bahn. Sie fordern deshalb, dass die Bahn für den Bau der Unterführung zahlen soll. Die wiegelt aber ab und erklärt schriftlich: "Da die Gemeinde Linsengericht sich nicht in der Lage sieht, die Summe von 16 Millionen Euro zu stemmen, wird nun geprüft, ob mögliche Fördergelder vom Bund und/oder dem Land zur Verfügung gestellt werden können, zumal eine kostengünstigere Brückenlösung hier aus technischen Gründen keine dauerhaft sinnvolle Alternative darstellt."

Soll heißen: Entweder helfen Bund und Land finanziell aus oder die Unterführung wird tatsächlich so nicht gebaut und Linsengericht damit der Zugang zum Bahnhof genommen. "Ich hoffe, dass wir zügigst vorankommen", so Bürgermeister Ungermann, der die heimischen Landtagsabgeordneten, den Main-Kinzig-Kreis und Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) eingeschaltet hat.

Ungermann weiß: Die Zeit drängt. Denn laut Zeitplan will die Deutsche Bahn die Baumaßnahmen rund um den Gelnhäuser Bahnhof im Oktober ausschreiben. "Es wäre schade, wenn unsere Maßnahme hier nicht dabei wäre."

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen