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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Tatverdächtiger soll dauerhaft in Psychiatrie

Ein Fahrradfahrer legt an Gleis 7 des Frankfurter Hauptbahnhofs Blumen für den getöteten Achtjährigen ab.

Er stieß einen ihm völlig unbekannten Jungen im Frankfurter Hauptbahnhof vor einen ICE. Das Kind starb. Die Staatsanwaltschaft glaubt nicht, dass der Verdächtige ein Fall fürs Gefängnis ist.

Fünf Monate ist es her, dass ein Mann einen achtjährigen Jungen und seine Mutter im Frankfurter Hauptbahnhof vor einen einfahrenden Zug gestoßen haben soll. Die Frau überlebte, ihr Kind nicht. Nun hat die Staatsanwaltschaft beantragt, den Beschuldigten dauerhaft in der Psychiatrie unterzubringen.

Ärztliche Untersuchungen hätten ergeben, dass der 40-jährige Mann zur Tatzeit unter einer akuten schizophrenen Psychose gelitten habe, teilte Oberstaatsanwältin Nadja Niesen am Montag mit. Man habe daher bei der Schwurgerichtskammer des Landgerichts ein Sicherungsverfahren beantragt.

"Stellt eine Gefahr dar"

Dieses besondere Verfahren ist vorgesehen für Fälle, in denen das übliche Verfahren nicht möglich erscheint, weil der Angeklagte schuldunfähig oder verhandlungsunfähig ist. Der nun gestellte Antrag der Staatsanwaltschaft tritt an die Stelle einer Anklage.

In Folge seiner Erkrankung habe der Mann unter anderem unter paranoidem Verfolgungswahn gelitten. Deshalb soll er zur Tatzeit schuldunfähig gewesen sein.

Es bestehe aufgrund der Krankheit aus Sicht des Sachverständigen "eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Beschuldigte in Zukunft weitere Gewaltdelikte begehen wird und somit eine Gefahr darstellt", sagte Niesen. Deswegen sei zum Schutz der Allgemeinheit seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus notwendig.

Mutter konnte sich retten

Am 29. Juli 2019 hatte der Beschuldigte den Ermittlungen zufolge den Jungen und seine Mutter vor den einfahrenden ICE gestoßen. Während sich die Frau retten konnte, wurde das Kind überrollt. Eine 78-Jährige, die der Beschuldigte offenbar ebenfalls vor den Zug stoßen wollte, konnte sich ebenfalls retten.

Der tatverdächtige Eritreer, der seit 2006 in der Schweiz lebte, kam zunächst in Untersuchungshaft und dann in die Psychiatrie.

Sendung: hr-iNFO, 23.12.2019, 11.00 Uhr