Pornografie Cyberkriminalität Symbolbild

Drei Tage nach der bundesweiten Razzia gegen Kinderpornographie sind weitere Einzelheiten bekannt geworden: Vier der jungen Verdächtigen kommen aus Hessen. Sie sollen die Pornos über Chat-Gruppen verbreitet haben - teils mit als lustig empfundenen Texten und Emojis versehen.

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Hessenschau vom 26.10.2019
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Die vier Verdächtigen aus Hessen stammen aus Frankfurt, Wiesbaden, dem Main-Taunus-Kreis und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg, wie das Bundeskriminalamt in Wiesbaden am Samstag mitteilte.

Verdächtige im Alter von 14 bis 26 Jahren

Bei der Kinderporno-Razzia waren am Mittwoch insgesamt Wohnungen von 21 Tatverdächtigen in elf Bundesländern durchsucht worden. Die Beschuldigten im Alter von 14 bis 26 Jahren sollen Kinderporno-Bilder und -Videos besessen und über soziale Netzwerke an Freunde und Bekannte geschickt haben - zum Beispiel über Nachrichtendienste wie WhatsApp oder Facebook.

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt sieht in dem Austausch über Chat-Gruppen eine neue Facette im Kinderporno-Bereich. Es handele sich nicht um die klassische Kinderpornographie-Szene, in der fast immer Pädophile die Täter oder die Verdächtigen seien. "Solche Videos werden von Jugendlichen und jungen Erwachsenen eher gedankenlos weitergeleitet", sagte Sprecher Georg Ungefuk auf Nachfrage des hr. Das geschehe meist über das Smartphone.

Die Urheber der Videos oder Fotos sind meist unbekannt. Ein Video zeigt laut BKA ein zehnjähriges Kind, das vermutlich in einem Steinbruch in Afghanistan von Jugendlichen vergewaltigt wird.

Kinderporno-Inhalte bagatellisiert

Die Inhalte werden laut BKA und Generalstaatsanwaltschaft häufig bagatellisiert und zum Teil mit als lustig empfundenen Texten und Emojis versehen. In den vergangenen Monaten verzeichneten die Ermittler einen starken Anstieg dieser Taten. Die Persönlichkeitsrechte der Opfer würden durch die Verbreitung der Videos in erheblicher Weise verletzt.

Hinter jedem Bild und jedem Video steckt der Missbrauch eines Kindes, also eine schwere Straftat: Ermittelt wird in solchen Fällen wegen des Verdachts der sogenannten Dritt-Besitzverschaffung und des Besitzes von kinderpornographischen Schriften. "Das Strafmaß dafür beträgt für Erwachsene drei Monate bis fünf Jahre", so der Oberstaatsanwalt.

Bei den Durchsuchungen wurden in den Wohnungen der Verdächtigen zahlreiche Beweismittel, insbesondere Computer und Datenträger, sichergestellt. Durchgeführt wurde die Razzia von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt - Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) -, dem BKA und der Polizei in den Bundesländern.

Sendung: hr-iNFO, 26.10.2019, 12:34 Uhr