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Audioseite Ermittlungen zu "Cold Case" in Büdingen

Foto eines Feldwegs in der Landschaft. Am Rand leicht verdeckt ein blauer Müllsack (in dem der Leichnam verborgen war). Ein roter Pfeil markiert in dem Bild die Stelle.

Etwa 600 Frauen sollen in Mittelhessen Speichelproben abgeben. Davon erhoffen sich die Ermittler neue Erkenntnisse in einem "Cold Case": 1999 war bei Büdingen ein totes Baby gefunden worden, dessen Identität und kurzes Schicksal bis heute ungeklärt sind.

Der Leichnam des Babys lag am Rand eines Feldweges, eingewickelt in blaue Plastiktüten. Am 1. April 1999 öffnete ein Spaziergänger die zugeschnürten Tüten, die ihm zwischen Büdingen-Vonhausen und Büdingen-Lorbach (Wetterau) schon Monate zuvor aufgefallen waren - und entdeckte ein totes Mädchen. Dessen Identität und kurzes Schicksal sind bis heute ungeklärt.

Staatsanwaltschaft und Polizei wollen nun, nach mehr als 22 Jahren, die Mutter des Kindes ausfindig machen, wie sie am Montag in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten. Trotz umfangreicher Ermittlungen war es bislang nicht gelungen, "Sabrinas" Identität oder die Umstände ihres Todes zu klären. "Sabrina" hatten die Ermittler das anonym bestattete Baby genannt, um seiner Persönlichkeit und Identität Ausdruck zu verleihen.

DNA-Muster aus der Leber

2019 wurde aus der Leber des Mädchens ein vollständiges DNA-Muster gewonnen. Damit könnte nun Sabrinas Mutter identifiziert werden. "Nach Auffinden der Leiche wurden schon damals standardmäßig Gewebeproben aserviert", sagt Thomas Hauburger von der Staatsanwaltschaft Gießen auf hr-Anfrage.

Hauburger hat sich auf sogenannte "Cold Cases", ungelöste Kriminalfälle wie diesen, spezialisiert. Der 40-Jährige leitete auch die Ermittlungen im Fall Johanna Bohnacker.

Erfolgsaussicht 30 Prozent

Nach der Analyse von "Sabrinas" DNA konnten Ermittler ein Raster erstellen: Wer käme in Frage für einen solchen "klassischen Neonatizid", wie ihn Hauburger nennt? Also für die Tötung des neugeborenen Kindes unmittelbar nach der Geburt.

"Dazu gibt es sehr fundierte Studien", sagt Hauburger. Zusätzlich zur kriminalistischen Erfahrung und der Öffentlichkeitsfahndung ergäbe sich so eine gute Aussicht auf Erfolg. Hauburger schätzt sie auf 30 Prozent. Eine DNA-Reihenuntersuchung soll schließlich helfen.

600 Frauen zur Speichelprobe

Im Laufe der kommenden Wochen werden insgesamt etwa 600 Frauen, die zum Zeitpunkt des Leichenfundes zwischen 13 und 30 Jahren alt und damals im Raum Büdingen wohnhaft waren, zur Abgabe einer freiwilligen Speichelprobe gebeten. Sie alle mussten erst einmal ausfindig gemacht werden, deswegen werden sie erst jetzt, zwei Jahre nach der DNA-Analyse, kontaktiert.

Die Frauen sollen am 6. und 7. November in der Wolfgang-Konrad-Halle in Lorbach eine Speichelprobe abgeben. Für Hauburger ist diese Maßnahmen auch ein Gewissens-Appell. Dem Spiegel sagte der Staatsanwalt: "Es steht außer Frage, dass das eine Frau ihr Leben lang belastet."

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