Fahnen mit dem TÜV-Logo

In Hanau sind offenbar zahlreiche Autos mit teils gravierenden Mängeln durch den TÜV gekommen. Fünf Männern wird deswegen jetzt der Prozess gemacht. Das Bestechungsgeld - ein paar Euro - sollen Angeklagte für Schnitzel ausgegeben haben.

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Vor dem Hanauer Landgericht müssen sich seit Donnerstag fünf Männer zwischen 29 und 74 Jahren wegen Bestechung und Bestechlichkeit verantworten. Dabei geht es laut Staatsanwaltschaft um ein korruptes Netzwerk aus TÜV-Prüfern.

Die beiden Hauptangeklagten im Prozess sind der ehemalige Leiter der Hanauer TÜV-Stelle und ein ihm unterstellter Mitarbeiter.

Plaketten offenbar ohne Prüfung ausgestellt

Sie sollen zwischen August 2011 und November 2013 69 Fahrzeugen Plaketten und Bescheinigungen ausgestellt haben, deren Zustand nicht mehr ausreichte, oder sollen bloß anhand von Papieren die Fahrzeugprüfung vollzogen haben.

Beiträge von 5 bis 20 Euro sollen dabei für die TÜV-Mitarbeiter herausgesprungen sein. Dem Vorgesetzten wird zusätzlich vorgeworfen, seinen Mitarbeiter zu solchen Taten verleitet zu haben.

Trotz der kleinen Geldbeträge sprach die Staatsanwaltschaft in der Anklage von "gewerbs- und bandenmäßigen Bestechungsfällen", ausschlaggebend dafür sei die Vielzahl und das abgesprochene Verhalten, wie es am Donnerstag hieß.

Mitarbeiter zeugte Reue

Wie der Mitarbeiter am Donnerstag vor Gericht aussagte, habe ihn das Arbeitsklima in der TÜV-Prüfstelle zur Teilnahme an den Betrugsfällen bewegt: Die Prüfstelle habe jeden Kunden annehmen müssen, auch wenn der Wagen die Anforderungen nicht hergegeben habe, wie der Angeklagte sagte.

Infolgedessen seien seine Maßstäbe als gelernter Kfz-Mechaniker immer mehr gesunken, irgendwann habe er es dann auf Anraten seines Vorgesetzten es nicht mehr so genau genommen und auch das Geld angenommen. Dies soll zunächst in die Kaffeekasse der TÜV-Stelle gegangen sein, jeden Donnerstag sei Schnitzeltag in der Prüfstelle gewesen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Prozessauftakt wegen TÜV-Betrugs in Hanau

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Später soll der Mitarbeiter das Geld dann auch selbst verwendet haben. Ob auch sein Vorgesetzter im Prozess gesteht, ist unklar. Der unterstellte Mitarbeiter hatte bereits im Rahmen der polizeilichen Ermittlungen gestanden. Insgesamt sind im Prozess acht Verhandlungstage vor dem Hanauer Landgericht angesetzt.

Weitere Angeklagte arbeiteten mit TÜV zusammen

Zwei weiteren Angeklagten wird vorgeworfen, in ihrer Werkstatt in Offenbach notwendige Reparaturen nicht durchgeführt und die Fahrzeuge zum TÜV nach Hanau gebracht zu haben. Sie hätten in einer Geschäftsbeziehung mit dem TÜV-Leiter gestanden.

Der fünfte Angeklagte, zuständig für Zulassungs- und Überführungsfahrten, soll in fünf Fällen mit der TÜV-Stelle Hanau zusammengearbeitet haben.

Hinweise aus den Reihen des TÜV

Die Staatsanwaltschaft wurde durch Hinweise aus den Reihen des TÜV auf die Vorgänge aufmerksam. Mittels verdeckter Ermittler und eigens präparierter Fahrzeuge wurden die Verdächtigen anschließend überprüft. Sie hätten dabei Autos mit teils gravierenden Mängeln durchgewunken.

Zudem wurden über 100 Fahrzeuge einer erneuten Prüfung unterzogen - und auch hier wurden teils erhebliche Mängel festgestellt. Die Ermittlungen hätten laut Staatsanwaltschaft ein eindeutiges Bild ergeben. Den Angeklagten drohen nun Haftstrafen von bis zu drei Jahren.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 30.07.2020, 19.30 Uhr