Der Free Fall Tower auf dem Hoherodskopf am Dienstag.
Der Free Fall Tower auf dem Hoherodskopf. Bild © Rainer Battefeld,hr

Im Prozess um den tödlichen Sturz eines Mädchens von einem Sprungturm auf dem Hoherodskopf hat das Landgericht Gießen die Angeklagten freigesprochen. Verantwortlich seien sie dennoch, urteilten die Richter.

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Eingang Langericht Gießen

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Angeklagte nach Sprungturm-Unfall freigesprochen

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Die zwei 42 und 44 Jahre alten Betreiber des Kletterparks in Schotten (Vogelsberg) waren angeklagt, den Tod einer Zwölfjährigen im Jahr 2015 fahrlässig verursacht zu haben. Die Betreiber seien zwar verantwortlich, könnten aber nicht bestraft werden, heißt es in der Urteilsbegründung des Gerichtes.

Gericht stellt viele Fehler und Versäumnisse fest

Bei dem Aufbau des Freefall-Towers vor rund dreienhalb Jahren habe es eine Vielzahl von Fehlern und Nachlässigkeiten gegeben, sagte der Vorsitzende Richter. Der neun Meter hohe Sprungturm sei nicht nach den Vorgaben aufgebaut, mehrere Sicherheitsbestimmungen vernachlässigt worden. Beispielsweise sei die obere Sprungplattform deutlich zu kurz gewesen. Zudem seien in der Nähe des Luftkissens, welches als Auffang genutzt wurde, spitz zulaufende Basaltkegel gefunden worden.

Die Angeklagten hätten sich nicht ausreichend über die Vorschriften informiert und sich zu stark auf Dritte verlassen. Die Angeklagten bedauerten den Unfall und sagten im Prozessverlauf, sie hätten auf die Erfahrung der für den Aufbau der Anlage und insbesondere des Sprungkissens engagierten Firma vertraut. 

Polizei überfordert, Beweislage unklar

Die Mängel seien aber nach den Ergebnissen der Beweisaufnahme nicht ausschlaggebend für den Unfall gewesen. Mehrere Sachverständige hätten nicht feststellen können, dass die Versäumnisse tatsächlich zum Tod des Mädchens führten, erklärte das Gericht.

Zurückzuführen sei dies auch auf die unzureichende Sicherung von Beweisen: Nach dem Unglück war nur ein Polizeibeamter mit dem Fall betraut, dieser sei damit überfordert gewesen, sagte der Vorsitzende Richter. Ein bitterer Beigeschmack bleibe laut Gericht zudem, weil es keine gesetzlichen Regelungen für den Bau eines solchen Turmes gebe. Hier müsse dringend nachgebessert werden.

Kind starb nach wochenlangem Koma

Das Mädchen war laut Staatsanwaltschaft im August 2015 bei einem unkontrollierten Sprung vom Freefall-Tower in Schotten von der Umrandung des etwa drei Meter dicken Sprungkissens abgeprallt und mit dem Kopf auf einem Felsbrocken aufgeschlagen. Auf dem Hoherodskopf war der Sprungturm im Sommer 2015 als besondere Attraktion aufgebaut.

Die Zwölfjährige wurde mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma und Knochenbrüchen in eine Klinik geflogen. Dort lag sie vier Wochen im Koma, bis sie ihren Verletzungen erlag.