Thermometer in der Sonne

Der Klimawandel heizt Hessen immer öfter ein, wie eine Studie der Versicherungswirtschaft zeigt. Die Zahl der jährlichen Hitzetage hat sich binnen 70 Jahren mehr als verdoppelt - in einer Stadt sogar mehr als verdreifacht. Und das hat Folgen.

Mehr als 30 Grad im Schatten - im Schnitt gab es das in der Zeit zwischen 1950 und 1960 in Hessen pro Jahr an 4,4 Tagen. Seitdem kommt das aber immer öfter vor, wie eine Studie zeigt, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Donnerstag in Berlin vorgelegt hat.

Im vergangenen Jahrzehnt waren es durchschnittlich schon 11,8 Hitzetage pro Jahr – mehr als doppelt so viel also.

Hitze-Tendenz steigend

Besonders häufig heiß war es den ausgewerteten Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) für Hessen zufolge in den vergangenen zehn Jahren in Darmstadt mit durchschnittlich 20,0 Hitzetagen. Das ist im Vergleich zu den Werten in den 1950er-Jahren mehr als eine Verdreifachung.

Im Hessen-Ranking folgen Groß-Gerau (19,2) sowie die Stadt und der Landkreis Offenbach (jeweils 19,0). Frankfurt liegt mit 18,6 Tagen auf Rang vier. Die wenigsten heißen Tage gab es im Kreis Waldeck-Frankenberg (8,7) sowie im Vogelsbergkreis (8,9).

Es kann noch viel heftiger werden

"Die zunehmende Treibhausgaskonzentration führt dazu, dass auch die Zahl heißer Tage von Jahrzehnt zu Jahrzehnt massiv zunimmt," sagte Andreas Becker, Leiter der Klimaüberwachung beim DWD. Bei ungebremstem Treibhausgasausstoß müsse zwischen 2031 und 2060 mit einer weiteren Zunahme um fünf bis zehn heiße Tage im Jahr in Norddeutschland und zehn bis zwanzig heiße Tage in Süddeutschland gerechnet werden.

Die meisten heißen Tage bundesweit, 23 pro Jahr,  wurden im rheinland-pfälzischen Speyer gemessen. Es folgen Ludwigshafen und Mannheim.

Im Vergleich der Bundesländer liegt Hessen mit seinen 11,8 Hitzetagen im Mittelfeld. Spitzenreiter ist Berlin mit 15,7 Hitzetagen. Es folgten Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Die wenigsten Ü-30-Grad-Tage gibt es in den Bundesländern an der Küste, die allerwenigsten in Schleswig-Holstein (3,7).

Am Meer ist es nicht so arg

"Die unterschiedliche Verteilung der Hitzetage liegt vor allem daran, dass sich Landregionen schneller erwärmen als Meeresregionen", erklärte Becker. So bremst im Norden und Westen Deutschlands die Nähe zum Meer den Anstieg. Zusätzlich kommt bei Hitzetagen die Luft meist aus dem Südwesten. Föneffekte nahe der Mittelgebirge und Städte verstärkten die Entwicklung.

GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen sagte, die dynamische Zunahme der Hitzetage zeige, "dass der Klimawandel auch in Deutschland deutliche Spuren hinterlässt". Die Folgen seien nicht nur anhand aufplatzender Beläge auf Autobahnen und längeren Trockenperioden sichtbar.

Gleichzeitig nähmen extreme Wetterereignisse wie Starkregen zu und verursachen katastrophale Schäden an Gebäuden und Infrastruktur. Asmussen forderte, den menschengemachten Klimawandel zu begrenzen, wenn die Schäden versicherbar bleiben sollten. Außerdem sei eine Klimafolgenanpassung mit mehr Prävention nötig, um Städte, Häuser und Industrie widerstandsfähiger zu machen.

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