Komet Neowise über Deutschland

Nur selten kommt der Komet Neowise der Erde so nah, dass er mit bloßem Auge zu sehen ist - derzeit ist es wieder soweit. Besonders gut zu sehen war er in Hessen in der Nacht zum Dienstag.

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maintower vom 14.07.2020
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Wie der Stern von Bethlehem prangt er am nördlichen Firmament. Neowise ist einer der hellsten Kometen, die in den vergangenen Jahrzehnten die Erde passierten. So hell, dass man ihn auch in Hessen derzeit gut mit dem bloßen Auge erkennen kann.

Neuling auf der Sternenkarte

Entdeckt wurde Neowise wurde erst im März dieses Jahres mit dem Weltraumteleskop WISE der NASA. Berechnungen seiner Bahn ergaben, dass er zuletzt wahrscheinlich vor knapp 4.500 Jahren die Erde besuchte und dass er wegen einer Veränderung seiner Umlaufbahn durch die Schwerkraft der Planeten wohl erst in rund 6.800 Jahren zurückkehren wird. Wer ihn also jetzt verpasst, muss lange warten, bis die Gelegenheit wiederkommt.

Am 3. Juli schoss der Schweifstern mit knapp 280.000 Stundenkilometern um die Sonne. Wenn er in einigen tausend Jahren wieder rund 100 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt sein wird, bringt er es gerade noch auf die Geschwindigkeit eines Autos auf der Landstraße.

Tief über dem nördlichen Horizont

Aktuell kann man Neowise schon abends entdecken, sobald es dunkel genug ist. "Man sieht ihn ab 23 Uhr im Nordnordwesten tief über dem Horizont", weiß Astronomin Carolin Liefke von der Vereinigung der Sternfreunde mit Sitz im südhessischen Heppenheim. Morgens ist der Komet dann im Nordnordosten zu sehen, bis etwa 3.30 Uhr.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Komet Neowise: Beobachtungstipps von hr-Raumfahrtexperte Dirk Wagner

Komet Neowise
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Obwohl der Schweifstern schon mit bloßem Auge gut sichtbar ist, hilft ein Fernglas oder Feldstecher bei der Beobachtung. Wer ihn fotografieren möchte, der kann mit verschieden langen Belichtungszeiten spielen. Viele Nutzer haben bereits prächtige Bilder von Neowise geschossen. So auch hr-Raumfahrtexperte Dirk Wagner, der zurzeit an der Ostsee weilt.

Komet #NEOWISE über Norddeutschland. Jetzt.😃 Sichtbar mit dem bloßen Auge, aber noch besser z.B. mit einem 7x50 Fernglas. Diese Aufnahme ist mit dem Handy entstanden, dazu braucht es aber 2-4 Sekunden Belichtungszeit. #NeowiseComet

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"Kometen sind unberechenbar"

Seinen erdnächsten Punkt erreicht Neowise am 23. Juli. Er wird von uns dann etwas mehr als 100 Millionen Kilometer entfernt sein. Zum Vergleich: Die Sonne befindet sich in etwa 150 Millionen Kilometer Entfernung zur Erde.

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Wie hell Neowise dann noch strahlen wird, ist aber schwer einzuschätzen. "Kometen sind da ein bisschen unberechenbar", sagt Liefke. Es sei sogar möglich, dass er vorher zerbricht. Experten halten das derzeit aber für unwahrscheinlich.

Im Laufe der nächsten Wochen wird Neowise zunehmend vom Morgenhimmel verschwinden und vor allem abends zu sehen sein. Seine Strahlkraft lässt dabei allmählich nach. Liefke geht aber davon aus, dass er die kommenden zwei Wochen noch ein lohnendes Beobachtungsobjekt sein wird.

Die besten Chancen sind in der Nacht zum Dienstag

Interessierte sollten jede Gelegenheit nutzen. Denn zur Kometenbeobachtung braucht es vor allem einen möglichst wolkenfreien Himmel. Und da standen die Chancen in der Nacht zum Dienstag noch gut, danach nicht mehr.

"Am Dienstag zieht Bewölkung auf. In der Nacht zum Mittwoch ist es ganz schlecht", sagt hr-Meteorologe Mark Eisenmann. In den Nächten darauf werde es zwischen den Wolkenfeldern zwar auch Lücken geben, doch die Beobachtungsmöglichkeiten sind erst mal nicht mehr so gut.

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Schmutzige Schneebälle

Kometen sind Überbleibsel aus der Zeit der Entstehung des Sonnensystems. Sie bestehen aus Gestein, Staub und gefrorenem Gas. Wissenschaftler nennen sie deshalb auch gerne ganz unwissenschaftlich "schmutzige Schneebälle". Nähert sich der Komet der Sonne, beginnen die Gase zu verdampfen und den bekannten Schweif zu bilden. Dieser ist immer von der Sonne weggerichtet. Entfernt sich also der Komet wieder von der Sonne, schiebt er den Schweif vor sich her.

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Sendung: hr-fernsehen, maintower, 14.07.2020, 18 Uhr