Ein junger Mann wirft eine Flasche in Richtung von Polizisten nahe des Opernplatzes in der Nacht zum 19. Juli

Die Randale nach einer Party am Frankfurter Opernplatz ist durch nichts zu entschuldigen. Stadt und Polizei sollten nun aber nicht überreagieren.

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Warum werfen Dutzende von jungen Männern mitten in der Nacht mitten in Frankfurt Flaschen nach Polizisten und ihren Fahrzeugen? Warum johlen Hunderte von Zuschauern bei jedem Treffer?

Weil sie betrunken sind. Weil ihnen langweilig ist. Weil sie Berichte über Ausschreitungen gesehen haben. Weil sie sich in der Gruppe stark fühlen, womöglich plötzlich als Mehrheit, wo sie sich sonst stets als Minderheit vorkommen. Weil sie dumme junge Männer sind mit zu viel Testosteron und zu wenigen Ideen, ihre Energie für sinnvolle oder zumindest nicht für gemeingefährliche Aktionen aufzuwenden.

Das sind denkbare Erklärungen. Sie entschuldigen nicht die Randale in der Nacht zum Sonntag. So benimmt man sich nicht, egal wo und egal woher man kommt (oder die Eltern oder die Großeltern). Nichts rechtfertigt, Flaschen zu werfen, schon gar nicht in Richtung von Polizisten und anderen Menschen.

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Frankfurts Polizeipräsident Bereswill bei der Pk zur Randale am Opernplatz
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Behörden können nicht Aufgaben der Eltern übernehmen

Die Stadtverwaltung und die Polizei in Frankfurt mögen sich die eingangs genannten Fragen stellen. Sie werden aber kaum die zugrunde liegenden Probleme lösen können. Korrigieren müssen hier Eltern, Schulen, vernünftige Freunde, unter Umständen Sozialarbeiter und Gerichte.

Stadt und Polizei müssen vielmehr eine Antwort darauf finden, wie es weitergehen soll mit den Freiluftpartys. Wie sie verhindern können, dass die Lage wieder eskaliert.

Vorsicht vor dem Stuttgart-Vergleich!

Zwar drängen sich Vergleiche mit der Randale in Stuttgart Ende Juni auf. Dabei ist aber Vorsicht geboten: Dort griffen junge Betrunkene Beamte direkt an, traten auf sie ein, warfen Steine in Schaufensterscheiben, plünderten. Davon sind die Zustände am Frankfurter Opernplatz noch ein gutes Stück entfernt, auch wenn es hier Verletzte unter den Einsatzkräften gab. Auf den Videos, die in Sozialen Medien kursieren, halten die Rudel-Randalierer einen gehörigen Abstand zu den Polizisten.

Verständlich, dass Polizeipräsident Bereswill entsetzt ist. Umso besser, dass er bei seiner Pressekonferenz nur wenige Stunden nach den nächtlichen Exzessen nicht die übliche Null-Toleranz-und-absolute-Härte-Rhetorik auspackte, sondern besonnen wirkte. Zurecht erklärte er, man werde die Leute, die das getan haben, nicht los, indem man abends den Opernplatz oder die Stadt absperrt.

Womöglich hilft ein nächtliches Alkoholverbot

Es wäre gut, wenn auch Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) das erkennt. Es bringt nichts, die Probleme ein paar Straßenecken weiter zu verlagern. Es ist fraglich, ob sich die Leute wie beim Friedberger Markt mit einer Sperrstunde um 22 Uhr zum Heimgehen oder Weiterziehen bewegen lassen. Die problematische Klientel am Opernplatz kommt wohl erst gegen Mitternacht, das könnte sie weiterhin tun.

Andererseits muss die Stadt sich vors Bein getreten fühlen. Da stellt sie extra mehr Mülltonnen auf - und die dienen dann den Randalierern als Wurfgeschosse oder als Munitionslager.

Was kann die Stadt tun, wenn sie bei manchen Hitzköpfen mit Vernunft nicht weiterkommt? Ein Alkoholverbot am Opernplatz ab einer bestimmten Uhrzeit auszurufen, wäre eine Möglichkeit. Die Polizei könnte von vornherein verstärkt kontrollieren, welche Gruppen auf den Platz drängen – und sie im Zweifel wegschicken. Sie müsste frühzeitig mehr Präsenz zeigen und verhindern, dass sich Stimmung hochschaukelt. Und sie muss die aggressiven Anführer festnehmen und ihre Taten ahnden.

Das ist alles sehr aufwendig. Aber allemal besser als tatsächliche Straßenschlachten.

Sendung: hessenschau, hr-fernsehen, 19.07.2020, 19.30 Uhr