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Listerien in Gemüse: Landrat zieht Konsequenzen

Der Kreis Groß-Gerau will nach dem Skandal um keimbelastete Nahrungsmittel seine Lebensmittelkontrollen neu organisieren. Kontrolllücken soll es nicht mehr geben. Nach dem Verzehr von Listerien-verseuchtem Gemüse waren vier Menschen erkrankt; ein Mann starb.

Der Kreis Groß-Gerau hat in dem jüngsten Lebensmittelskandal mit drei Erkrankten und einem Toten Fehler eingeräumt und erste Konsequenzen gezogen. "Bei den Lebensmittelkontrollen des Kreisveterinäramts ist es während der vergangenen zweieinhalb Jahre zu deutlichen Kontrolllücken gekommen", erklärten Landrat Thomas Will (SPD) und Gesundheitsdezernent Walter Astheimer am Mittwoch. Hygienemängel seien dadurch übersehen worden. "Dies ist ein großer Fehler gewesen, wir bedauern das zutiefst."

Kreis zieht Konsequenzen

Als erste Reaktion auf die Versäumnisse hat der Kreis die Organisationsstruktur rund um Lebensmittelkontrollen geändert. Das zuständige Veterinäramt wurde laut Mitteilung aus der Kreisverwaltung herausgelöst und untersteht jetzt als Stabsstelle direkt dem Landrat und dem Gesundheitsdezernenten.

Davon verspricht sich Will einen engeren Austausch mit den Kontrolleuren und Kontrolleurinnen. Kontrolllücken, wie es sie im aktuellen Fall gab, "darf und wird es bei uns im Kreis nicht noch einmal geben", betonte der Landrat. Zudem habe der Kreis personal- und dienstrechtliche Prüfungen in Gang gesetzt, die allerdings einige Zeit in Anspruch nähmen. "Wir haben auch erste interne Maßnahmen eingeleitet, um zum Beispiel das Berichtswesen zu verbessern", erklärt Will.

Kontrolldichte drastisch gesunken

Vor zwei Jahren hatte der Kreistag drei weitere Stellen für das Veterinäramt bewilligt. Damit sollte die Kontrolldichte eigentlich von damals 90 Prozent auf 100 Prozent gesteigert werden. Stattdessen sank die Quote auf 50 Prozent. Um herauszufinden, warum das passiert ist, hat Will nun die Einsatzlisten der letzten beiden Jahre angefordert, um zu sehen, wann und wofür das Personal eingesetzt wurde.

Am Osterwochenende war durch einen Bericht in der "Welt am Sonntag" publik geworden, dass vier Menschen nach dem Verzehr von mit Listerien belasteten Gurkenscheiben erkrankt waren, einer von ihnen starb. Die Behörden teilten am Montag mit, dass es sich bei dem betreffenden Unternehmen um den Gernsheimer Gemüsebetrieb Maus handelt.

An oder mit Listerien gestorben?

Es ist allerdings noch unklar, ob der Tod des 83-Jährigen in der Offenbacher Sana-Klinik tatsächlich - wie zunächst vom Verbraucherministerium vermutet - auf den Verzehr der mit Keimen belasteten Lebensmittel zurückzuführen ist. Das herauszufinden ist Teil der laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Nach Angaben der Klinik habe der Mann zum Zeitpunkt des Todes zwar eine Listeriose-Infektion, für den Tod seien aber wohl eine schwere Pneumokokken- und eine Corona-Infektion verantwortlich gewesen, wie eine Klinik-Sprecherin dem hr sagte.

Gegen den Inhaber des betroffenen Betriebs läuft ein Ermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft Darmstadt wegen des Verdachts einer Straftat nach dem Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch. Schon einige Wochen zuvor, im Februar, hatten die Behörden den Betrieb dichtgemacht. 

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