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zum Video Huckepack auf dem Weg ins Stammgewässer: Kröten auf Wanderung.

Huckepack in Richtung Stammgewässer: Krötenwanderung in Südhessen.

Hunderte Kröten wollen Tierretter am Wochenende in Südhessen über eine Landesstraße tragen. Dann erreichen die Krötenwanderungen voraussichtlich ihren ersten Höhepunkt. Den Tieren droht bei der Überquerung von Straßen nicht nur der Tod durch Überfahren.

Gelbe Warnwesten, Taschenlampen und rot blinkende Lichter - die kleine Gruppe um Silvia Fusch vom Naturschutzbund (Nabu) Heppenheim fällt im Dunkeln sofort auf. Jeden Abend und jeden Morgen treffen sich die Krötenretter am Waldsee in Viernheim (Bergstraße).

Dort laufen sie einen etwa 1,5 Kilometer langen schwarzen Plastikzaun ab, der entlang der Landesstraße 3111 aufgebaut ist. Dahinter haben die Krötenretter Eimer in die Erde eingegraben und mit einer Schicht aus Laub und Sand gefüllt. Suchen sich die Amphibien entlang des Zauns ihren Weg, fallen sie dort hinein und können von den freiwilligen Helfern über die Straße getragen werden.

Tod durch Überfahren und Luftsog

Bei Temperaturen um die acht Grad und Nässe kommen die Kröten in der Dunkelheit aus ihren Verstecken. Zu Hunderten treten die Tiere dann den beschwerlichen Weg in ihre Stammgewässer an. Im Durchschnitt schafft eine Kröte bis zu 600 Meter am Tag. Langsamer ist sie, wenn sie ihren männlichen Partner auf dem Rücken tragen muss, erklärt Fusch.

Eine Landesstraße wie in Viernheim kann so schnell zur Todesfalle werden. Denn Kröten sterben nicht nur, wenn sie überfahren werden, sondern erliegen häufig auch dem Barotrauma. Ausgelöst durch den Luftsog eines vorbeifahrenden Autos können die feinen Amphibienlungen zum Platzen gebracht werden. "Viele Autofahrer wissen das nicht und denken, es würde schon reichen, den Kröten auszuweichen", erklärt Fusch.

Zahl der Kröten geht zurück

Fusch spricht von einem Gemetzel. Sie habe es nicht länger ertragen können. Deshalb engagiert sich die 51-Jährige seit 2018 für Amphibien, ehrenamtlich neben ihrem eigentlichen Job als Angestellte eines IT-Unternehmens. Sie hat einen Zaun errichtet, Helfer angeheuert, ist täglich im Einsatz und führt Listen über die geretteten und die toten Tiere.

Auf diese Weise wächst die Zahl der in Viernheim wandernden Tiere. Dabei geht die Gesamtzahl der Kröten in Hessen zurück, bestätigt Berthold Langenhorst vom Nabu Hessen. Anders als bei Vögeln werde aber keine hessenweite Statistik erhoben.

Trockenheit als Problem

Grund für die Rückgänge seien die trockenen Sommer, die vor allem kleinere Wasserstellen ausgetrocknet hätten. Die Kröten könnten deshalb nicht Ablaichen: "Sie nehmen dann öfter auch mal eine Fahrrinne, in der das Wasser steht, als Ablaichgelegenheit - nur trocknet die schnell aus." Dadurch fehle es an Nachwuchs.

Langenhorst ergänzt: "Die Amphibien als wechselwarme Tiere zählen zu den großen Verlierern des Klimawandels." Zwar seien durch Regentage im Winter zur Zeit viele Wasserstellen in Hessen wieder gefüllt, doch bis Jungtiere an Land überleben, leben sie bis zu drei Monate im Wasser. Trocknet die Wasserstelle vorher aus, sterben die Kaulquappen.

Am Wochenende viele Kröten erwartet

Fusch wartet gespannt auf das Wochenende. Dann nämlich, wenn das Wetter nass und warm ist, soll der erste Wanderhöhepunkt der Kröten erreicht werden. Bis zu 200 Tiere an nur einem Abend könnten sie und ihre Helfer dann über die Straße tragen, erzählt sie.

Bisher konnte sie im Februar schon 600 Tiere retten, darunter vor allem Erdkröten. Eine ungewöhnlich hohe Zahl für einen Februar, selbst für Viernheim, wo neben Seeheim-Jugenheim immer die ersten Kröten in Hessen wandern. Bis die Tiere auch in der Rhön oder im Vogelsberg aktiv werden, dauere es wohl noch einige Wochen, glaubt sie.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Unterwegs mit den Krötenrettern

Die Krötenretter tragen die Tiere über die Straße.
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Sendung: hr4 Rhein-Main, 21.02.2020, 15.30 Uhr