Die Bildkombination zeigt eine abendliche Mahlzeit mit Nilgans und ein Foto einer fliegenden Nilgans.

Sie sind laut, sie stören die Menschen und sie hinterlassen überall Kot: Nilgänse sind in vielen Städten eine Plage. Jetzt sollen sie endlich auch zu etwas gut sein: zum Essen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Beim Dinner kommt Nilgans auf den Tisch

Nilgans kulinarisch - mit Grüner Soße
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Ob am Offenbacher Mainufer, am Badesee im benachbarten Nieder-Roden oder im Frankfurter Ostpark: Nilgänse sind im Rhein-Main-Gebiet zur Plage geworden. Wo die Nilgans auftaucht, verdrängt sie heimische Arten, verdreckt Parks und Schwimmbäder und verursacht stattliche Kosten.

"Wir betreiben kulinarischen Naturschutz“

Das Problem ist längst bekannt und viele Menschen sind genervt. Eine wirkliche Lösung für das Problem gibt es noch nicht. Die will jetzt ein Offenbacher Unternehmer liefern: Lukas Brosch bringt die Tiere auf den Teller – der Umwelt zuliebe.

"Wir betreiben kulinarischen Naturschutz“, sagt der 30-Jährige. Bosch betreibt mit Zukunftsforscherin Juliane Bublitz und Koch Andreas Michelus das Berliner Startup-Unternehmen "Holycrab“. Ein Wortspiel: "Holy Crap“ heißt so viel wie "heilige Scheiße“, Crab ist die Krabbe. Denn mit der fing alles an.

Eingewanderter Sumpfkrebs wird zur Delikatesse

Im Frühjahr 2018 sorgte der Amerikanische Sumpfkrebs im Berliner Tiergarten für Schlagzeilen, weil er dort die einheimischen Arten verdrängte. Bosch und seine Mitstreiter brachten kurz darauf den Sumpfkrebs auf den Teller: "Wenn es ein Problem im Naturschutz gibt, das potenziell als Delikatesse auf den Teller kommen könnte, dann braucht man doch nur eins und eins zusammenzählen.“

Gesagt, getan. Das Unternehmen hat sich mittlerweile darauf spezialisiert, invasive Arten kulinarisch aufzubereiten – also Tiere, die hier nicht heimisch sind, deshalb keine natürlichen Feinde haben und sich immer weiter ausbreiten.

Probleme als Potenzial sehen

Neben den Amerikanischen Sumpfkrebsen sind das auch Nutrias und Waschbären. Und als gebürtigem Offenbacher war Bosch natürlich auch das hiesige Problem mit der Nilgans bekannt. "Wir werden tatsächlich immer gefragt, ob das eine Vergeltungsaktion ist. Mir persönlich hat die Nilgans nichts getan“, versichert er. "Wir versuchen einfach, diesen Problemen, die im Naturschutz wirklich für Probleme sorgen, als Potenzial zu verstehen.“

Am 14. Dezember servieren Bosch und sein Team erstmals "Nilgans auf Hessisch“ – als exklusives Drei-Gänge-Menü in der Frankfurter "Tatcraft Cantina". Hauptgang: die "Hooligans“ – Nilgans mit Kartoffelstampf, Grüne-Soße-Schaum und Eigelb-Crumble.

Kräftiges Wild-Aroma, wenig Fett

Nilgans im Brentanobad

"Die Nilgans schmeckt vorzüglich“, schwärmt Bosch von starken Wild-Aroma und dem dunklen Fleisch des Krawallvogels. Weil das wenig Fett hat, wird es schnell trocken. Deshalb wird die Nilgans langsam gegart. "Dann gibt das eine tolle Konsistenz, also das Fleisch ist sehr zart.“

Einziger Wermutstropfen: Bisher werden die Nilgänse aus Bayern und Rheinland-Pfalz geliefert. Lukas Bosch und sein Team suchen deshalb nach hessischen Jägern, die das Federvieh anbieten können. Wer jetzt schon fette Beute riecht: Am Offenbacher Mainufer oder im Frankfurter Ostpark dürfen die Vögel nicht geschossen werden.

Sendung: maintower, hr-fernsehen, 26.11.2019, 18.00 Uhr