Krankenhauspersonal mit Mundschutz

Die Zahl der Covid-19-Patienten in Hessen steigt weiter, die der Toten auch. Noch gibt es genug Klinikplätze und Beatmungsgeräte. Aber das Land trifft weitere Vorkehrungen zum Ausbau der Kapazitäten - und gegen Ansteckungen.

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772 Menschen liegen zur Zeit wegen einer Covid-19-Erkrankung in hessischen Kliniken, rund 250 mehr als vor knapp einer Woche. Und 175 von ihnen, also etwa jeder vierte Betroffene, liegt in einem Intensivbett und hängt an der künstlichen Beatmung. Das sind gut 50 Menschen mehr. Die Verantwortlichen rechnen damit, dass es noch deutlich mehr treffen und "unser Gesundheitssystem in den kommenden Wochen stark beansprucht wird", wie Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) am Mittwoch in Wiesbaden sagte.

Zwar verlor die Zunahme an registrierten Infizierten an Dynamik, was laut Klose hoffen lässt. Das könne aber auch trügerisch sein. Um sich über Effekte der vor zehn Tagen verhängten weitreichenden Kontaktsperre zu freuen, sei es jedenfalls "noch ein paar Tage zu früh". Und die Zahl der Todesopfer ist gerade so stark gestiegen wie nie zuvor, von Dienstag bis Mittwochabend um acht auf 27.

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In dieser Situation hat die Landesregierung weitere Maßnahmen zum Schutz vor Ansteckungen und zum Ausbau der Behandungsmöglichkeiten getroffen.

Mehr Betten, weniger Besuche, keine Maskenpflicht

Klose betonte, es sei weiterhin vordringliches Ziel, alles zu tun, "damit die Zahl der Schwerkranken so niedrig wie möglich bleibt". Risikogruppen sollen geschützt, Erkrankte angemessen behandelt werden. Von einer Pflicht zum Tragen von Schutzmasken hält der Minister derzeit nichts, zumal dies "ein knappes Gut noch knapper" mache.

Folgende Maßnahmen nannte der Minister:

1. Besuchsverbot noch strikter

Ein Besucher pro Tag, maximal eine Stunde: So waren seit Mitte März Besuche bei Patienten in Kliniken und Heimbewohnern schon stark eingeschränkt. Nach vier Todesfällen in hessischen Seniorenheimen sind Besuche in Krankenhäusern und Betreuungseinrichtungen nunmehr grundsätzlich verboten. Ausnahmen sind nur in besonderen Fällen möglich und nur unter besonderen Schutzvorkehrungen, wie Klose betonte. Dazu zähle etwa "der letzte Besuch bei einem Sterbenden" und die "medizinisch gebotene Anwesenheit des Vaters bei der Geburt eines Kindes". In der Praxis galten die strengeren Vorschriften bereits vielerorts.

2. Ausbau der Klinikkapazitäten

Die Zahl der Betten in Krankenhäusern soll weiter erhöht werden. Zurzeit stünden insgesamt knapp 12.200 freie Betten zur Verfügung, fast 2.500 mehr als vor zehn Tagen. Auch die Ausstattung mit Beatmungsgeräten sei verbessert worden: Statt 1.200 gebe es inzwischen 1.900 Beatmungsplätze. Frei sind davon noch 715.

Ein 10-Millionen-Euro-Beschaffungsprogramm des Landes ermöglicht hessischen Kliniken laut Klose noch den Kauf von rund 380 der Geräte, die weltweit knapp und teurer geworden sind. Auch die Zahl der überwachten Intensivbetten ohne Beatmungsgerät sei erhöht worden. Sie stieg demnach von 860 auf derzeit knapp 1.100.

3. Meldepflicht für Beatmungsgeräte

Aus Sorge, die Beatmungsplätze könnten nicht reichen, hat das Land zudem eine Meldepfflicht erlassen. Alle Einrichtungen, die über zusätzliche Geräte verfügen, müssen das den Behörden nun mitteilen. Das betrifft zum Beispiel Praxen, aber auch Tierkliniken. Privatpersonen sind dazu ausdrücklich nicht verpflichtet.

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zum hr-fernsehen.de Video Pressekonferenz: Minister Klose zur Corona-Lage in Hessen

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Mehr Todesfälle

Am Mittwoch waren in Hessen 26 Todesfälle als Folge eine Infektion mit dem Coronavirus registriert. Im Vergleich zum Vortag waren das acht Tote mehr, ein Anstieg wie nie zuvor seit Beginn der Corona-Epidemie.

Die Zahl der Infektionen stieg binnen eines Tags um 281 auf nunmehr 3.582. Experten gehen davon aus, dass tatsächlich sehr viel mehr Menschen sich angesteckt haben, aber mit einem vergleichsweise milden Verlauf davonkommen..

Probleme mit der Schutzausstattung

Unter Druck sind die Verantwortlichen auch wegen der elementaren Versorgung des medizinischen Personals mit Schutzanzügen und Masken. Auch hier herrscht Mangel, und die Preise steigen. Die Verteilung von einfachenr Atemschutzmasken, die vor einer Woche aus Shanghai per Lufthansa-Flug am Frankfurter Flughafen ankamen, läuft laut Minister Klose unter Leitung der "Task Force Beschaffungsmangement“ des hessischen Krisenstabs. Von der Lieferung waren 2,35 Millionen Masken für Hessen.

Vor allem Kliniken profitierten, aber nicht nur sie, wie Klose betonte. Verteilt werde nach einem Schlüssel über die sechs hessischen Corona-Schwerpunktkliniken sowie die Landkreise und kreisfreien Städte. So solle sichergestellt werden, dass auch Rettungsdienste, Altenpflege oder auch soziale Dienste etwa für Wohnungslose bedacht werden.

Ärztekritik zurückgewiesen

Details über den Verteilungsschlüssel nannte Klose nicht. "Es ist ein relativ breiter Kreis an Empfängern", sagte er und sprach sich gegen eine allgemeine Pflicht von Bürgern zum Tragen von Mundschutz aus . Zur Kritik von niedergelassenen Ärzten an mangelnder Versorgung mit Schutzmaterial sagte der Minister, dies regele nicht das Land. Die Kassenärztliche Vereinigung habe eine separate Vereinbarung mit dem Bund, der aus eigenen Beständen verteile.

Sendung: hr-fernsehen, hessen extra, 1.4.2020, 13.05 Uhr