Mit einem Stock in der Hand watet ein Mann durch das etwa knietiefe Wasser der "Bleiche" in Ortenberg. Hier hatte ein Bewohner des Ortes nach eigenen Angaben ein Krokodil entdeckt

Ein lebendiges Krokodil im Bach einer Kleinstadt? Ein angebliches Beweisfoto sorgt für Aufregung in Ortenberg in der Wetterau. Während ein Reptilienexperte zweifelt, hat das Ordnungsamt einen Plan, wie es dem Tier auf die Schliche kommen könnte.

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hessenschau vom 01.09.2020
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Endlich ist es da, das hessische Sommerloch-Tier! Gegen Ende der traditionell nachrichtenarmen wärmeren Jahreszeit dürfen wir uns nun vielleicht ein paar Tage lang die Frage stellen: Lebt wirklich ein Krokodil im Bach der Wetterau-Kleinstadt Ortenberg oder etwa doch nicht?

Aber von Anfang an: Der Ortenberger Albert Kröll steht an einer Mauer direkt am unter ihm liegenden Bachbett, als ihm vom gegenüberliegenden Ufer zugerufen wird, er solle doch bitte einmal ins Wasser schauen. Was das wohl sei?

Mit Leiter und Schaufel zum Krokodil

Kröll stutzt, nimmt seinen Mut zusammen, holt eine Leiter und - sicher ist sicher - eine Schaufel. Dann steigt er hinunter ins Bachbett, wie er der hessenschau am Dienstag berichtete. "Aber wie ich mit der Schippe in die Nähe kam, da war es schon weg."

Es? Das Krokodil? Ein Hinweis liefert ein Foto, das ein Spaziergänger von dem Wesen im Bach gemacht haben will - und schließlich der Stadt übergab. Doch zeigt es tatsächlich ein kleines lebendiges Reptil, das mit seinem Kopf aus dem Schilf herausschaut? Weitere Sichtungen sind bislang nicht bekannt.

Dieses Krokodil macht die Wetterau unsicher.

Experte tippt auf Plastik

Im Ortenberger Ordnungsamt wachsen nach einem Gespräch mit einem Experten die Zweifel an der Existenz eines echten Krokodils im Bach der Stadt. Der Reptilienkundler Johannes Köhler aus dem Frankfurter Zoo geht jedenfalls von einem künstlichen Tier aus.

"Wenn es echt wäre - was ich nicht glaube - dann wäre das Wahrscheinlichste, dass es ein Privat-Halter vielleicht ausgesetzt hat", sagt er. Er tippe aber auf ein Plastikkrokodil.

Das Foto sei zwar schlecht. Doch man könne beispielsweise besonders große Augenwülste erkennen und fast sechseckige Schuppen, was ungewöhnlich für ein echtes Krokodil sei. Zudem seien die Pupillen des Tieres rund und geweitet. Tagsüber hätten diese aber schlitzartig sein müssen.

Das alles mache ihn sehr sicher, dass es sich um eine Attrappe handele. Solche würden übrigens auch im Online-Handel angeboten.

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Das Ortenberger Krokodil: lebendig oder aus Plastik?

Ordnungsamt wartet auf wärmere Temperaturen

Das Ortenberger Ordnungsamt verfolgt nun die Taktik: abwarten. Hatte man zunächst noch Landwirte, Viehhalter und Hundebesitzer zur Wachsamkeit aufgerufen, setzt man nun darauf, dass der Sommer noch einmal aufdreht und wärmere Temperaturen das Rätsel lösen.

"Unternommen wird erst mal nichts", sagt Amtsleiter Lars Wagner. "Die Hoffnung liegt darin, dass sich das Tier bei höheren Temperaturen, die am Wochenende kommen sollen, vielleicht in eine höhere Lage begibt und sich sonnt, so dass man es dann sehen kann."

Dann werde das Tier fachmännisch eingefangen. Und das Rätsel um das Ortenberger Sommerloch-Krokodil wäre gelöst. Einen Namen hat es übrigens bislang nicht.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 01.09.2020, 19.30 Uhr