Der Angeklagte mit zwei Justizbeamten im Hanauer Mordprozess
Der Angeklagte mit zwei Justizbeamten im Hanauer Mordprozess Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

40 Mal stach ein Mann in Hanau auf seine Ehefrau ein, weil sie ihn verlassen hatte: Für den Mord auf offener Straße erhielt der afghanische Ex-Soldat nun eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Von einer "bestialischen Tatausführung" hatte der Oberstaatsanwalt gesprochen und eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes gefordert. Dieser Sichtweise schloss sich das Landgericht Hanau am Donnerstag  an: Es verurteilte einen 58 Jahre alten Mann zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.

Er hatte am 6. Dezember des vergangenen Jahres seine 52 Jahre alte Frau in der Hanauer Altstadt getötet. Der Mord an der zweifachen Mutter ereignete sich auf offener Straße vor der Marienkirche.

Tatwaffe war ein beidseitig geschliffener Dolch mit 20 Zentimeter langer Klinge. Damit stach der aus Afghanistan stammend Ex-Offizier immer wieder auf seine Frau ein. Sie starb später im Krankenhaus.

Gefühlte Ehrverletzung

In seiner Urteilsbegründung sprach der Richter von einem "absoluten Vernichtungswillen" des Täters. An die 40 Einstiche hatten die Gerichtsmediziner im Körper des Opfers festgestellt, fünf davon im Kopf. Zu dem Angeklagten sagte der Richter: "Sie haben schwere Schuld auf sich geladen."

Das Motiv für die Tat laut Urteil: Der von Besitzansprüchen gegen seine Frau getriebene Mann fühlte sich in seiner Ehre verletzt, weil sie sich von ihm getrennt hatte. In Vernehmungen hatte er von Rache gesprochen. Im Prozess schwieg der 58-Jährige. Nach der Tat hatte er aufgeschreckte Passanten gebeten, die Polizei zu rufen und sich dann widerstandslos festnehmen lassen.

Mehrfach ins Frauenhaus geflohen

Die Familie war aus der afghanischen Hauptstadt Kabul nach Deutschland gekommen und hatte hier Asyl beantragt. Seit 2014 wohnte sie in Hanau. Laut Anklage kam es in der Ehe immer häufiger zu Streit – und auch zu gewalttätigen Angriffen des Mannes.

Die Frau hatte sich wiederholt mit ihren beiden Töchtern in ein Frauenhaus geflüchtet. Eine der Töchter trat im Prozess als Nebenklägerin auf.

Die Verteidigung kündigte an, das Urteil zu prüfen und womöglich Revision einzulegen. Sie hatte die Tat des 58-Jährigen in ihrem Plädoyer als Totschlag im Affekt bewertet. Der Mann habe Rot gesehen und im Blutrausch ohne Kontrolle über sich selbst auf seine Frau eingestochen.

Sendung: hessenschau, 28.06.2018, 19.30 Uhr