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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Urteil in Reiterhof-Prozess: 56-Jähriger bekommt lebenslänglich

Der Angeklagte Lothar R. vor dem Landgericht Frankfurt

Für den Mord an seiner Ex-Freundin muss ein 56-Jähriger lebenslang hinter Gitter. Nach Überzeugung des Gerichts erschoss er die 22 Jahre alte Frau auf einem Reiterhof in Hofheim. Der Richter sprach von einer Hinrichtung.

Das Landgericht Frankfurt hat am Donnerstag einen 56 Jahre alten Mann zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach Überzeugung des Gerichts erschoss er im August 2019 seine damals 22 Jahre alte Ex-Freundin auf einem Reiterhof in Hofheim-Langenhain (Main-Taunus). Das Gericht sah dabei die Mordmerkmale Heimtücke und niedrige Beweggründe erfüllt. Es stellte zudem die besondere Schwere der Schuld des Mannes fest. Er kann somit nicht nach 15 Jahren aus der Haft entlassen werden.

"Eiskalter Tatplan"

Es gebe "überhaupt keine Zweifel" an der Schuld des Mannes, so das Gericht. Lothar R. habe im August 2019 seiner Ex-Freundin aufgelauert und nach einem "klaren, eiskalten Tatplan" getötet.

Demnach habe er ihr, ausgestattet mit Schusswaffe, Zielfernrohr und Schallämpfer, auf dem Hof aufgelauert, als sie gerade ihr Pferd von der Weide zum Stall geführt habe und sie dann erschossen. Die Tat zeige alle Attribute einer Hinrichtung, sagte der Vorsitzende Richter. "Die lebenslustige Frau wurde abgeschossen, wie ein Jäger ein wildes Tier abballert." Sie habe überhaupt keine Chance gehabt.

Handyortung und DNA-Spuren als Indizien

In ihrem Urteil stützte sich die Kammer auf eine Indizienkette, die "lückenlos vorhanden" sei, unter anderem die passende Handyortung und DNA-Spuren an einem Handschuh des Beschuldigten. Der Täter habe das Opfer angefasst, um sicherzugehen, dass es tot sei.

Motiv sei die "fehlgeleitete Eifersucht" des Angeklagten gewesen, so das Gericht. Etwa vier Wochen vor der Tat hatte sich die Frau von ihm getrennt. Bereits zuvor war es zu Zerwürfnissen gekommen, die Frau war aber stets wieder zu dem Mann zurückgekehrt.

Für die besondere Schwere der Schuld spreche auch, dass der Angeklagte seine beiden Kinder in die Vorbereitung der Tat "schamlos" mit einbezogen habe. So ließ er sich von seinem 17-jährigen Sohn den Aufenthaltsort der Frau mitteilen.

Angeklagter streitet Vorwürfe ab

Der Beschuldigte hatte die Tat bestritten. Zwar stellte er sich kurz nach dem Mord der Polizei, gab dort jedoch an, er habe gehört, dass er gesucht werde und wolle die Sache "aus dem Weg räumen". Zum Prozessauftakt im Juni schwieg er.

Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert und erwägt nun Revision beim Bundesgerichtshof.

Sendung: hr-iNFO, 08.10.2020, 18.30 Uhr