Der Angeklagte steht in der Mitte zwischen seinem Anwalt und einem Polizeibeamten. Er trägt Handschellen. Sein Gesicht ist unkenntlich gemacht.

Wegen Mordes an einer Ärztin hat das Landgericht Fulda ihren 31-jährigen Ex-Freund zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Opfer hinterlässt einen zweijährigen Sohn.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Urteil in Fuldaer Mordprozess gesprochen: Lebenslang für Angeklagten

Landgericht Fulda
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Das Landgericht Fulda hat einen 31 Jahre alten Mann wegen Mordes an seiner ehemaligen Partnerin zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann die 35-jährige Ärztin am 7. Dezember 2020 nach ihrer Nachtschicht aus dem Krankenhaus verfolgte und im Hinterhof eines Mehrfamilienhauses ermordete.

Gericht stellt besondere Schwere der Schuld fest

Laut Staatsanwaltschaft wurde die Frau durch einen einzigen Stich oder Schnitt in den Hals getötet, wahrscheinlich mit einem Messer. Bislang wurde die Tatwaffe nicht gefunden. Die Obduktion hatte ergeben, dass die Ärztin innerhalb von zwei Minuten verblutete und erstickte.

Das Landgericht stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Das bedeutet: Der Verurteilte kann nur im Ausnahmefall nach 15 Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen werden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung will Revision einlegen.

Die Staatsanwaltschaft hatte bei den Plädoyers - ebenso wie die Nebenklage - eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen heimtückischen Mordes aus niedrigen Beweggründen gefordert. Die Verteidigung plädierte aus Mangel an Beweisen auf Freispruch. Der Angeklagte beteuerte seine Unschuld und bestritt, die Tat begangen zu haben.

Anklage: Mann wollte Beziehungsende nicht akzeptieren

Oberstaatsanwältin Christine Seban geht davon aus, dass der Angeklagte das Beziehungsende mit seiner Ex-Freundin nicht akzeptieren wollte. Er soll die junge Mutter aus Eifersucht und Kränkung umgebracht haben. "Wenn er sie nicht haben kann, dann soll sie auch kein anderer haben", erläuterte Seban die Motivlage des Angeklagten.

Der Angeklagte präsentierte eine andere Version des Tattags. Er sagte, seine Ex-Partnerin sei Opfer einer Schutzgeld-Erpressung gewesen. Er räumte zwar ein, ihr nach der Arbeit auf ihrem Heimweg gefolgt zu sein. Als sie ihn gesehen habe, habe sie ihm aber zu verstehen geben, dass sie mit ihm gerade nicht sprechen könne. Daraufhin sei er rückwärts vom Grundstück gefahren. Gleichzeitig sei ein dunkles Auto in den Hinterhof eingebogen.

Das Gericht glaubte diese Version aber nicht. Als Beweise für die begangene Tat wertete es unter anderem Blutspuren an der Kleidung des Angeklagten und eine SMS des Mannes in der Nacht vor der Tat. Darin schreibt er der Frau: "Fühle Dich gut, solange Du es noch kannst."

Für Angeklagten bestand Kontaktverbot

Die Beziehung zu der Frau schilderte der Angeklagte vor Gericht als harmonisch. Streit oder eine Krise habe es nie gegeben. Die Akten besagten aber anderes: Seit dem 25. November 2020 bestand ein gerichtliches Kontaktverbot, weil die Ärztin den Angeklagten mehrfach wegen körperlicher Gewalt angezeigt hatte. Der Mann ist dreifach vorbestraft, auch wegen Körperverletzung. Die beiden hatten sich im Herbst 2020 getrennt.

Die Frau hinterlässt einen zweijährigen Jungen. Das Kind stammt aus einer vorherigen Beziehung. Neben der Haftstrafe verurteilte das Gericht den Anklagten zur Zahlung von Hinterbliebenengeld in Höhe von 15.000 Euro an das Kind und 10.000 Euro an die Oma des Jungen, die sich um ihn kümmert.

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