Zeugentisch in einem Verhandlungssaal im Landgericht Frankfurt
Zeugentisch in einem Verhandlungssaal im Landgericht Frankfurt Bild © picture-alliance/dpa

"Bilder, die man aus Mafia-Filmen kennt": Wegen des Auftragsmordes an einem Geschäftsmann in Frankfurt-Sachsenhausen Anfang 2014 hat das Landgericht einen 47-Jährigen zu lebenslanger Haft verurteilt.

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Ein Flatterband mit der Aufschrift: "Tatort nicht betreten!"

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Auftragsmörder verurteilt

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Das Landgericht Frankfurt hat am Mittwoch nach knapp einjähriger Prozessdauer einen 47 Jahre alten Mann zu lebenslanger Haft verurteilt. Es sah einen "klaren Fall des heimtückischen Mordes" und entsprach damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Mann habe den Inhaber eines Wettbüros Anfang Januar 2014 vor seinem Büro in Frankfurt-Sachsenhausen mit drei Schüssen aus einer Maschinenpistole getötet.

Der Vorsitzende Richter Volker Kaiser-Klan sprach am 34. Verhandlungstag von einer "Exekution" und "Bildern, die man aus Mafia-Filmen kennt". Der 50 Jahre alte Geschäftsmann sei von dem Angeklagten "eiskalt und brutal abgeschossen" worden. (Az: 3590 Js 200907/14)

Kette von Indizien

Das Gericht sah den Angeklagten aufgrund einer Kette von Indizien als Täter überführt. "Er wollte das perfekte Verbrechen verüben, doch das gibt es nur ganz, ganz selten", sagte der Richter. So habe der Angeklagte direkt nach der Tat mehrere gravierende Fehler begangen, indem er bei einem Telefonat mit einem Kumpel mehrere verfängliche Äußerungen gemacht habe.

Unter anderem hatte er dem Bekannten gesagt, dass er "morgen in der Zeitung lesen wird", was er gerade getan habe. Bei einem Drogengeschäft, so wie es der Angeklagte behauptet hatte, wäre dies wohl nicht der Fall gewesen, sagte Kaiser-Klan.

Prozess zog sich in die Länge

Der Prozess gegen den Auftragskiller begann Ende Juli vergangenen Jahres. Der Angeklagte hatte zunächst noch eine mehrjährige Haftstrafe zu verbüßen, die er aufgrund einer Gewalttat in Berlin erhalten hatte.

Deshalb sah das Gericht aus rechtlichen Gründen von der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld ab. Das Verfahren zog sich schließlich aufgrund der zahlreichen Zeugenvernehmungen und Gutachten in die Länge.

Verteidigung geht wohl in Revision

Mutmaßlicher Auftraggeber war nach Ansicht des Gerichts ein in Serbien wohnender ebenfalls 47 Jahre alter Mann, mit dem sich das Opfer geschäftlich überworfen hatte. Der Mann musste dort ausfindig gemacht und per Videoschalte vernommen werden. Sowohl der Angeklagte als auch der Auftraggeber bestritten im Prozess ihre Beteiligung an der Tat.

Die Verteidigung, die Freispruch beantragt hatte, wird voraussichtlich Revision gegen das Urteil einlegen.

Sendung: hr-iNFO, 17.07.2019, 17 Uhr