Das Limburger Landgericht

Für oder gegen die Partei des türkischen Präsidenten Erdogan - die Frage führte eine kurdische Großfamilie in ein blutiges Zerwürfnis. Ein Mann muss lebenslänglich in Haft, weil er in Wetzlar einen 39-Jährigen aus Rache erschoss.

Sieben Schüsse aus Rache: Das Landgericht Limburg hat einen 28-Jährigen wegen Mordes an einem Gastronomen aus Rheinland-Pfalz zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Richter sprachen den geständigen Mann schuldig, im September 2019 in Wetzlar auf das Auto seines 39 Jahre alten Opfers gefeuert zu haben.

Drei Projektile trafen den Mann, der dadurch innerlich verblutete. Sein Beifahrer überlebte den Angriff unverletzt. Die Richter gingen in diesem Fall von versuchtem Mord aus. Auf lebenslange Haft hatten zuvor sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung plädiert. Motiv für die Tat soll Rache gewesen sein - für einen tödlichen Familienstreit in der Türkei vor drei Jahren.

Verfahren abgetrennt

"Ich allein habe die Verantwortung", hatte der 28-Jährige zu Beginn des Prozesses Ende Mai betont. Niemand sonst habe etwas mit der Tat zu tun gehabt. Der Mann saß zusammen mit einem 27- sowie einem 38-Jährigen auf der Anklagebank.

Die beiden Mitangeklagten sollen zum einen für die Logistik und zum anderen für die Beschaffung der Pistole zuständig gewesen sein - was sie vehement bestritten. Das Gericht trennte das Verfahren gegen die beiden ab. Alle drei Angeklagten sind türkische Staatsangehörige und teils miteinander verwandt.

"Innerlich zerfressen"

Bei dem tödlichen Familienstreit in der Türkei am Tag des Verfassungsreferendums im April 2017 soll es um politische Differenzen gegangen sein. Nach Aussage des 28-Jährigen sei es dazu gekommen, weil ein Teil der Familie Präsident Recep Tayyip Erdogan nicht habe unterstützen wollen.

Der Vorfall und die damit verbundene Ungerechtigkeit hätten ihn "innerlich zerfressen", sagte der Angeklagte. Zu den Opfern der Gewalttaten in der Türkei gehörten demnach sein Onkel und Großvater. Der Täter soll der Bruder des in Wetzlar getöteten 39-Jährigen sein.

Der Angeklagte hatte sich wenige Tage nach den Schüssen im vergangenen September gestellt. Er habe seinen Mitangeklagten erst nach der Tat davon berichtet, sie seien nicht eingeweiht gewesen, hatte der 28-Jährige ausgesagt. Der Prozess gegen die beiden Männer wird Ende Juli fortgeführt.

Sendung: hr-iNFO, 23.07.2020, 17 Uhr