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Geständnis im Fall Ayleen abgelegt

Im Mordfall Ayleen müssen die Ermittler noch grundlegende Fragen klären. Über den mutmaßlichen Täter gibt es weitere Details. Wir sagen, was bisher bekannt ist.

Ende Juli hatte die Polizei die Leiche von Ayleen im Teufelsee in Echzell (Wetterau) entdeckt. Die Schülerin aus Gottenheim (Baden-Württemberg) war zuvor mehrere Tage vermisst worden. Eine Übersicht des Falls und alle Fakten, die bislang bekannt sind:

Wann war Ayleen verschwunden?

Die 14 Jahre alte Ayleen war am Abend des 21. Juli in Gottenheim (Baden-Württemberg) verschwunden. Eine Suche der Polizei auch mit Hunden und Polizeihubschrauber brachte in der Heimatgemeinde des Mädchens keine Ergebnisse.

Wie und wo wurde ihre Leiche gefunden?

Über Handydaten führte die Spur des Mädchens nach Hessen. Auswertungen von Chatverläufen brachten die Verbindung zum 29 Jahre alten Tatverdächtigen. Die Auswertung seiner Handydaten habe dann einen längeren Aufenthalt am Teufelsee ergeben, sagte der Gießener Oberstaatsanwalt Thomas Hauburger. Daraufhin seien Einsatzkräfte der Kriminalpolizei auch mit einem Hubschrauber zu dem See geschickt worden, wo sie am 29. Juli die im See treibende, leblose Ayleen entdeckten.

Der Teufelsee, in dem die Leiche gefunden wurde, liegt zwischen Echzell und Reichelsheim (Wetterau). Neben dem See führt die L3412 vorbei. Von dort aus ist der See aber wegen vieler Büsche nicht einsehbar.

Foto eines Sees inmitten einer Landschaft

Was passierte mit dem Verdächtigen?

Der 29 Jahre alte Tatverdächtige aus Waldsolms (Lahn-Dill) wurde noch am 29. Juli in Frankfurt festgenommen. Der Mann sitzt in Untersuchungshaft und schwieg zunächst zu den Vorwürfen. Diese lauten: Entziehung Minderjähriger, sexuelle Nötigung und Mord in Verdeckungsabsicht. Erst am 2. September räumte er die Tat ein.

Wie ist der Stand der Ermittlungen?

Mitte August hat die Staatsanwaltschaft Gießen den Fall Ayleen von der Staatsanwaltschaft Freiburg übernommen. Der Grund: Inzwischen wird davon ausgegangen, dass die 14-Jährige in Hessen und nicht in Baden-Württemberg getötet wurde. Eine 30-köpfige Sonderkommission namens "Lacus" ermittelt jetzt in dem Mordfall.

Laut Staatsanwaltschaft Gießen gab es Hinweise darauf, dass sich der Verdächtige an dem Abend, an dem Ayleen verschwand, kurz auf einem Autobahnparkplatz der A5 Richtung Frankfurt bei Bruchsal (Baden-Württemberg) aufgehalten hat. Das habe eine Auswertung seiner Handydaten ergeben. Dabei war er möglicherweise in einem Auto des Modells "Ford Ka" unterwegs, das die Ermittler bei dem Verdächtigen beschlagnahmt haben. Die Polizei sucht Zeugen, die einen Ford Ka an der Raststätte und möglicherweise auch am Teufelsee gesehen haben.

Unklar ist noch, wie genau die 14-Jährige getötet wurde. Dazu liegt bisher nur die Aussage des mutmaßlichen Täters vor. Eine erste Obduktion hatte den Ermittlern zufolge keine Erkenntnisse geliefert, weil die Leiche zu lange im Wasser gelegen hatte - nur, dass es sich bei der Toten zweifelsfrei um Alyeen handele.

Wie lief die Tat ab?

Der genaue Tatablauf ist noch nicht bekannt. Am 2. September räumte der Tatverdächtige jedoch ein, den Tod der Schülerin in der Nacht auf den 22. Juli "durch körperliche Gewalteinwirkung herbeigeführt und den Leichnam anschließend im Teufelsee bei Echzell (Wetterau) versenkt zu haben", wie die Staatsanwaltschaft Gießen mitteilte. Der Mann führte die Ermittler demnach auch zum Tatort im Bereich eines Feldwegs im Landkreis Gießen.

Ob die 14-Jährige freiwillig zu dem Mann ins Auto stieg, ist noch unklar. Zur genauen Todesursache sind noch weitere Untersuchungen nötig. Weil die Leiche tagelang im Wasser lag, konnten hessische Rechtsmediziner noch nicht klären, woran die Schülerin starb.

Fest steht, dass der Tatverdächtige und das Mädchen sich aus Chats in sozialen Netzwerken und dem Online-Spiel Fortnite kannten.

Was ist über den mutmaßlichen Täter bekannt?

Der 29-Jährige, der aus Waldsolms (Lahn-Dill) stammt, war 2007 als Jugendlicher für zehn Jahre wegen eines versuchten Sexualdelikts an einer 11-Jährigen in ein psychiatrisches Krankenhaus gekommen. Nach seiner Entlassung 2017 stand er unter Führungsaufsicht. Diese war durch das Amtsgericht Frankenberg (Eder) zunächst auf drei Jahre festgelegt worden.

Das Amtsgericht Wetzlar verlängerte die Aufsicht im Januar 2020 auf unbefristete Zeit. Dagegen legte der 29-Jährige Beschwerde ein, die Aufsicht wurde von drei auf fünf Jahre verlängert, bis Januar 2022. Die Führungsaufsicht endete somit am 25. Januar 2022. In der Zeit der Aufsicht sei er mit Verkehrsdelikten und wegen Diebstahls aufgefallen, nicht aber mit Sexualdelikten, erklärte ein Gerichtssprecher.

Was passierte nach dem Ende der Führungsaufsicht?

Nach dem Ende der Führungsaufsicht sollte der 29-Jährige nahtlos in ein Programm für Mehrfach- und Intensivtäter (MIT) aufgenommen werden. Nach hr-Informationen hat dieser Übergang aber nicht funktioniert, sodass der Tatverdächtige zeitweise nicht unter Beobachtung stand. Grund dafür könnten Abspracheprobleme zwischen den Behörden gewesen sein.

Wie Oberstaatsanwalt Manuel Jung der Nachrichtenagentur dpa am Freitag mitteilte, wurde der Tatverdächtige erst am 19. Mai, also rund vier Monate nach dem Ende der Führungsaufsicht, in das MIT-Programm eingestuft - wegen niederschwelliger Verkehrs- und Diebstahldelikte. Es seien neun Anklagen gegen ihn gebündelt worden, bereits am 8. August hätte gegen ihn verhandelt werden sollen.

Was wird dem mutmaßlichen Täter noch vorgeworfen?

Nach derzeitigem Ermittlungsstand gab es im ersten Halbjahr 2022 drei Anzeigen wegen sexueller Belästigung und versuchter Nötigung gegen den Tatverdächtigen. Wie das Amtsgericht Wetzlar am Freitag mitteilte, soll er Ende März und Anfang April zwei 14-Jährige belästigt haben. Diese Anzeigen sind Oberstaatsanwalt Jung zufolge "unmittelbar in die Bearbeitung" gegangen. Die Akte sei an die Staatsanwaltschaft übermittelt worden, liege nun wegen weiterer Ermittlungen aber wieder bei der Polizei. Warum weiter ermittelt werden muss, wollte Jung am Freitag aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen.

Bereits bekannt war, dass der 29-Jährige Ende April eine 17-Jährige auf dem Blütenfest in der Stadt Rosbach vor der Höhe (Wetterau) angesprochen und danach unter anderem durch Textnachrichten versucht haben soll, sie zu einer Beziehung zu drängen. Anfang Mai sei Strafanzeige wegen des Verdachts der versuchten Nötigung bei der Polizei in Friedberg (Wetterau) erstattet worden. Der Staatsanwaltschaft Gießen liegt diese seit Dienstag, 2. August vor. Warum sie erst drei Monate später dorthin übermittelt wurde, blieb vorerst offen.

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