Listerien Mikroskop

Die Task Force des Landes hält den aktuellen Listeriose-Ausbruch für nicht vergleichbar mit dem Wilke-Skandal. Man habe den Ausbruch schnell unter Kontrolle bekommen. Die Organisation Foodwatch kritisierte, es fehle der politische Wille, Verbraucher zu schützen.

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Task Force: Ausbruchsherd schnell gefunden

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Nach der jüngsten Lebensmittel-Affäre um einen Listeriose-Ausbruch mit mehreren Erkrankten und einem Toten hat die beim Regierungspräsidium Darmstadt angesiedelte Task Force Lebensmittelsicherheit des Landes am Freitag über ihre Arbeit informiert. Dabei betonte der Leiter der Einheit, Tobias Lackner, der aktuelle Fall sei nicht mit dem Wilke-Wurst-Skandal von 2019 vergleichbar.

Regionale Vertriebswege

Bei Wilke habe es seinerzeit einen weltweiten Warenrückruf gegeben, das Infektionsgeschehen habe Monate gedauert, so Lackner. Dagegen seien die Vertriebswege des jetzt betroffenen Unternehmens Maus im südhessischen Gernsheim (Groß-Gerau) regional.

Nach dem Wilke-Skandal seien die personellen und strukturellen Kapazitäten bei der 2006 ins Leben gerufenen Task Force aufgestockt und die Arbeit der Einheit verbessert worden, sagte der Leiter. Inzwischen könne jeder einzelne Listeriose-Fall rasch nachverfolgt werden.

Speisepläne in Klinik durchforstet

Im aktuellen Fall habe eine Mikrobiologin in einem betroffenen Krankenhaus Speisepläne durchforstet. So habe man die Herkunft der kontaminierten Lebensmittel, geschnittene Gurkenscheiben in einem Salat, schnell ausfindig gemacht. Dadurch seien weitere Infektionen verhindert worden.

Die Produktion von Maus wurde Mitte Februar gestoppt. Weiteres dort verarbeitetes Gemüse oder Obst kann laut Task Force nicht mehr im Umlauf sein. Gestattet ist der Firma weiterhin der Handel mit Lebensmitteln. Davon gehe jedoch keine Gefahr aus, hieß es.

Vier Fälle in zwei Kliniken

In zwei Kliniken in Frankfurt und Offenbach waren im Herbst 2021 vier Menschen an Listeriose erkrankt. Eine Person starb, sie litt allerdings noch an anderen schweren Erkrankungen. Der Fall war erst Mitte April durch einen Bericht der Welt am Sonntag öffentlich geworden.

In diesem Zusammenhang wurde auch bekannt, dass in dem verursachenden Gemüsebetrieb katastrophale hygienische Zustände herrschten. So stießen Kontrolleure dort auf Rattenkot, Schimmel und Wasserpfützen.

Der für regelmäßige Kontrollen zuständige Landkreis Groß-Gerau räumte schwere Versäumnisse ein. Der Betrieb war seit zwei Jahren nicht mehr kontrolliert worden, obwohl dies gemäß seiner Risikoeinstufung auch während der Corona-Pandemie zweimal jährlich hätte erfolgen müssen. Warum dies nicht geschah, muss der Kreis nun klären.

Kritik von Foodwatch

Die Verbraucherorganisation Foodwatch warf unterdessen Hessens Verbraucherschutzministerin Priska Hinz (Grüne) am Freitag Versäumnisse vor. Nach dem Skandal um Wilke seien grundlegende Schwachstellen der Lebensmittelüberwachung nicht behoben worden und Pflichtkontrollen ausgefallen.

Es fehle der politische Wille, Verbraucher wirksam vor unsicheren Lebensmitteln zu schützen, so Foodwatch. Kritik an Hinz war kürzlich auch von der Opposition im Landtag gekommen. Die SPD legte der Ministerin gar den Rücktritt nahe.

Hinz hatte dagegen am Dienstag die Verantwortung für den jüngsten Skandal zurückgewiesen und die Arbeit der Task Force als Erfolg gewertet. Sie sieht den Kreis in der Pflicht. Dieser hätte seinen Kontrollpflichten nachkommen und Hygienemängel in dem betroffenen Betrieb früher erkennen und abstellen müssen.

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