Straßensperre auf der A5
Mit einer Straßensperre wurde am Samstag ein 40-Tonner gestoppt. Bild © picture-alliance/dpa

Wie lässt sich ein 40-Tonner stoppen, der kurz davor ist, auf der A5 in ein Stauende zu krachen? Der zuständige Einsatzleiter der Polizei hat sich am Wochenende für eine Barrikade aus einem Streufahrzeug und einem Streifenwagen entschieden - aus gewichtigen Gründen.

Auf der A5 zwischen Seeheim-Jugenheim und Darmstadt spielten sich am Samstag filmreife Szenen ab. Ein betrunkener Lkw-Fahrer konnte mit seinem 40-Tonner erst gestoppt werden, als er ungebremst in eine Straßensperre rauschte.

Neben einem Streifenwagen hatte auch ein Streufahrzeug dem 41-jährigen Fahrer auf seiner Schlangenlinien-Tour durch Südhessen den Weg versperrt. Dass Polizeiwagen eine Barrikade bilden, hat man schon mal gehört, aber ein Streufahrzeug? "Zwei, drei Streifenwagen hätten ihn nicht aufhalten können", sagte Sebastian Trapmann, Sprecher des Polizeipräsidiums Südhessen, hessenschau.de am Montag.

Polizeisprecher: Streufahrzeug schwerer als Streifenwagen

Der Laster drohte, mit rund 90 Kilometern pro Stunde ungebremst in ein Stauende bei Weiterstadt zu krachen. Der Polizeiführer vom Dienst, der für den Einsatz am Samstag zuständig war, beschloss laut Trapmann deshalb, schwerere Geschütze aufzufahren. "Das Streufahrzeug des Winterdienstes wiegt wesentlich mehr", begründete der Sprecher die Entscheidung des Einsatzleiters, der sich inzwischen im Urlaub befindet und deshalb nicht persönlich zu sprechen war.

Zu der Barrikade hätte es auch Alternativen gegeben: den Lastwagen auszubremsen, zum Beispiel. "Die Polizei wollte aber das Leben anderer Menschen nicht aufs Spiel setzen", so der Sprecher. Der Lkw-Fahrer hatte zuvor auf der A5 in Baden-Württemberg schon mehrfach versucht, Polizeistreifen abzudrängen und war unter anderem auch mit Vollgas über zwei Autobahn-Parkplätze gerast. Eine Barrikade zu errichten, war laut Trapmann deshalb am sichersten.

Auf die Reifen des 40-Tonners zu schießen, sei übrigens keine Option gewesen. "So etwas gibt es nur im Fernsehen", sagte Trapmann.

300.000 Euro Sachschaden bei Aufprall

Dass in der Realität aber doch einiges möglich ist, zeigte der Alkoholtest bei dem Lkw-Fahrer: Nach der Festnahme ergab dieser einen Wert von 2,3 Promille. Passend dazu waren im Fahrzeug mehrere leere Wodkaflaschen entdeckt worden. Persönliche Dokumente, die im Führerhaus gefunden wurden, gehörten nicht ihm. Der 41-Jährige sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.

Bei dem Aufprall erlitten alle drei Fahrzeuge - der Sattelzug, der Lastwagen der Autobahnmeisterei und der Streifenwagen - Totalschaden. Die Polizei schätzt die Kosten auf rund 300.000 Euro.

Sendung: hr1, 17.12.2018, 12:45 Uhr