Links der beschädigte Zug, rechts das Trümmerfeld nach dem Zusammenstoß zwischen der Bahn und einem Lkw bei Buseck.
Links das Trümmerfeld nach dem Zusammenstoß zwischen der Bahn und einem Lkw bei Buseck, rechts der beschädigte Zug. Bild © Michael Seeboth (hr)

Beim Zusammenprall einer Regionalbahn mit einem Lkw in Buseck bei Gießen sind 17 Menschen verletzt worden, der Lokführer lebensgefährlich. Es ist der dritte Unfall dieser Art in wenigen Jahren. Busecks Bürgermeister kritisiert die Deutsche Bahn.

Beim Zusammenstoß eines Regionalzuges mit einem Lastwagen sind auf einem beschranktem Bahnübergang in Großen-Buseck 17 Menschen verletzt worden. Nach Abschluss der Aufräumarbeiten korrigierte die Bundespolizei am Abend die Zahl nach oben, zunächst war von 13 Verletzten die Rede gewesen.

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Die Deutsche Bahn rechnete damit, dass die Strecke zu Betriebsbeginn am Mittwochmorgen wieder befahrbar ist. Der Bahnübergang werde mit einem Posten gesichert, sagte ein Sprecher. Deshalb könnten Züge "ein paar Minuten Verspätung" haben.

Ein mit rund 30 Fahrgästen besetzter Regionalzug war am Dienstagmorgen gegen 8.30 Uhr in den Anhänger eines Lastwagens gekracht, der noch auf den Gleisen stand, wie die Bundespolizei berichtet. Der Lokführer wurde bei der Kollision im Triebwagen eingeklemmt und lebensgefährlich verletzt, er wurde mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht. Auch die Zugbegleiterin wurde schwer verletzt.

Lkw stand wegen Rückstau auf Gleisen

Nach Zeugenaussagen befand sich der Laster wegen eines Rückstaus im morgendlichen Verkehr auf den Gleisen, als sich die Bahnschranke schloss. Ein Zeuge habe den Fahrer des Lastwagens auf die Gefahr aufmerksam gemacht. Der Fahrer sei daraufhin ausgestiegen, unmittelbar danach habe der Zug den Lkw-Auflieger durchbrochen. Der Lkw-Fahrer erlitt einen Schock, blieb aber ansonsten unverletzt.

Der Auflieger des Lkw wurde durch die Wucht des Zusammenpralls komplett aufgerissen.
Der Auflieger des Lkw wurde durch die Wucht des Zusammenpralls komplett aufgerissen. Bild © Klaus Pradella (hr)

Der Bereich um das Gewerbegebiet in Buseck wurde für mehrere Stunden weiträumig abgesperrt. Davon war neben dem Bahnverkehr auch der Straßenverkehr betroffen. Die Bahnstrecke Gießen-Fulda blieb gesperrt, Ersatzbusse wurden eingesetzt.

Unfallträchtige Stelle - Bürgermeister beklagt Untätigkeit der Bahn

In den vergangenen Jahren hatte es an derselben Stelle bereits zwei ähnliche Unfälle gegeben. 2009 prallte ein Zug in einen an einem Abschleppwagen hängenden Lkw, neun Menschen wurden damals leicht verletzt. 26 Leichtverletzte gab es 2013, als ein Zug einen Lastwagen rammte. In beiden Fällen sollen die Fahrzeuge im Verkehrsstau gestanden haben, als sich die Schranken am Bahnübergang schlossen.

"Wir haben im Nachgang zu den letzten Unfällen den Bahnübergang entschärft. Wir haben Halteverbotsschilder aufgestellt, und trotz allem kommt es immer wieder dazu, dass Lastwagenfahrer über den Bahnübergang fahren, obwohl die gegenüberliegende Seite noch nicht frei ist", sagte Busecks Bürgermeister Dirk Haas (SPD) dem hr.

Auch die Deutsche Bahn nahm der Bürgermeister in die Pflicht. Die Gemeinde habe in Gesprächen mit der Bahn auf die Gefahren hingewiesen und alternative Bahnübergänge sowie alternativ eine elektronische Überwachung der unfallträchtigen Stelle angeregt. "Auf alle diese Vorschläge ist die Bahn leider nicht eingegangen."

Bahn kündigt Aufarbeitung an

Der Lokführer hatte nach Angaben des Polizeisprechers keine Chance, seinen Zug rechtzeitig zu stoppen. Der Bahnübergang sei nur etwa 200 Meter weit einzusehen, Züge dürften an der Stelle bis zu 100 Stundenkilometer schnell fahren. Der Zug sei erst 300 Meter nach der Kollision zum Halten gekommen. Der Anhänger sei völlig zerfetzt worden.

Der Fahrgastverband Pro Bahn forderte in einer Mitteilung ebenfalls, dass die Sicherheit an der betroffenen Stelle schnell erhöht werden müsse - wie schon nach dem vorangegangenen Unfall im Jahr 2013.

Ein Pressesprecher der Bahn in Frankfurt kündigte auf Nachfrage an, man werde die Situation aufarbeiten. Zu möglichen Gesprächen zwischen der Gemeinde und Bahnvertretern konnte er zunächst nichts sagen. Die Gefahr von Unfällen am Bahnübergang in Buseck werde mit Sicherheit "Gegenstand der Untersuchungen sein".