Lkw in Wohngebiet verfahren

Wenn sich Lkw-Fahrer auf ihr Navi verlassen, kann das im osthessischen Ludwigsau zu bösen Überraschungen führen. Und zu hohem Schaden, wie ein aktueller Fall zeigt.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ludwigsauer Bürgermeister erklärt Probleme mit Lkw-Verkehr.

Lkw auf Irrwegen in Ludwigsau
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Buchstäblich blind dem Navi bei der Routenführung zu trauen, kann im Straßenverkehr gewaltig schiefgehen. In Ludwigsau (Hersfeld-Rotenburg), wo ein großes Logistikzentrum angesiedelt ist, machen Berufskraftfahrer diese leidige Erfahrung immer wieder. Eigentlich müssten sie problemlos von A nach B finden. Doch im Ortsteil Meckbach hinterließ vor Kurzem erst wieder ein Truck aus Litauen eine Spur der Verwüstung.

In den engen Straßen eines Wohngebiets wurden Grundstücksmauern niedergewalzt, ein Laternenmast umgefahren und ein Außenspiegel abgerissen. Die Polizei kam, half mit Hinweisen beim Rangieren. Unvorsichtig oder gar betrunken war der Fahrer nicht. Er machte nur das, was offenbar nicht wenige Trucker machen: ihrem Navi folgen. Doch dadurch laufen sie in der Ortschaft Gefahr, sich in den engen Windungen des Straßengeflechts zu verfangen.

Lkw beschäditgt Mauer und Laterne

Warnschilder für Lkw

Um den Lastwagenfahrern den richtigen Weg zu weisen, wurden auch schon Hinweisschilder aufgestellt. "Keine Zuwegung DHL", stand darauf, wie Bürgermeister Wilfried Hagemann dem Hessischen Rundfunk berichtete. Oder kurzum als die kürzeste aller Warnungen für nicht ganz so polyglotte Fahrer: "No DHL".

Dass sich Lastwagen in Ludwigsau verfahren und sich in Wohngebieten verirren, komme nicht täglich vor, aber immer öfter, wie Hagemann sagt. Deswegen seien auch schon die großen Navi-Software-Schmieden informiert worden. Dem Logistik-Unternehmen DHL, das seit Jahren in Mecklar angesiedelt ist, will er nicht die Schuld an den irrlichternden Lastwagen geben.

Zeitdruck sitzt Fahrern im Nacken

Hagemann erklärt, er habe sich auch schon mit den eingesetzten Sub-Unternehmern auseinandergesetzt. Bisher aber offenbar nicht mit durchschlagendem Erfolg. "Der Zeitdruck sitzt den Fahrern im Nacken, so dass man vielleicht nicht so ganz bei der Sache ist und nur aufs Navi achtet", vermutet der Bürgermeister.

Mal eben nach dem Weg zu fragen, scheint für manch einen auswärtigen Brummifahrer auch eher schwierig. Es gebe viele Fahrer, "die der deutschen Sprache nicht so mächtig sind". Die sprachliche Barriere möge dann ein Grund für das Malheur sein. Das habe man erst jüngst wieder erlebt.

Auf Radweg, Loipe oder in Sackgasse gelandet

Manch ein Fahrer rammelt sein großes Gefährt aber nicht nur in viel zu kleinen Straßen oder in Sackgassen fest. Einer sei auch schon mal auf einer Loipe gelande, berichtet Hagemann. Ein anderer fand sich plötzlich auf einem Radweg wieder, der früher mal als Landstraße in Karten vermerkt war. Probleme treten immer dann auf, wenn veraltetes Kartenmaterial auf vergleichsweise noch junge Straßen und Wege trifft.

Ein anderer Trucker habe auch schon mal an einer Bahnlinie hin und her rangiert. "Von so etwas geht ja auch ein gewisses Gefährdungspotenzial für Leib und Leben aus." Menschen seien aber zum Glück noch nicht zu Schaden gekommen.

Sendung: hr1, 21.01.2021, 8 Uhr