Der Beschuldigte im Mordfall Lübcke, Stephan ernst, wird begleitet von zwei schwer bewaffneten Polizisten an den BGH in Karlsruhe gebracht.

Im Mordfall Lübcke muss der Rechtsextreme Stephan Ernst vor Gericht. Nach der tödlichen Gleis-Attacke in Frankfurt soll der Verdächtige in die Psychiatrie: Im neuen Jahr müssen Hessens Gerichte aufsehenserregende Fälle verhandeln.

Der Mord an Walter Lübcke hat bundesweit für einen Aufschrei gesorgt und uns schmerzlich vor Augen geführt, wie rechter Terror unsere Demokratie und die Zivilgesellschaft bedroht. Entsprechend groß dürfte das öffentliche Interesse sein, wenn sich der verdächtige Rechtsextreme Stephan Ernst im neuen Jahr vor Gericht verantworten muss. Auch der Tod eines achtjährigen Jungen, der am Frankfurter Hauptbahnhof vor einen ICE gestoßen wurde, findet den Weg in den Gerichtssaal. Hier ein Überblick über die großen Fälle, die 2020 in Hessen verhandelt werden:

Mordfall Lübcke

Bewaffnete Polizisten geleiten Stephan Ernst zum BGH

Anfang Juni wird der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke auf der Terrasse seines Wohnhauses in Nordhessen durch einen Kopfschuss. Rund zwei Wochen nach der Tat wird der Hauptverdächtige Stephan Ernst festgenommen. Er legt zunächst ein Geständnis ab, widerruft dies später aber. Zwei weitere Männer sollen ihm bei der Beschaffung der Tatwaffe geholfen haben.

Ernst soll die Tat aus rechtsextremen Motiven begangen haben. Das Attentat löst nicht nur in Hessen, sondern bundesweit eine Debatte über das Vorgehen gegen Rechtsextremisten aus.

Der Fall wird voraussichtlich vor dem Oberlandesgericht Frankfurt verhandelt. Das Gericht rechnet Anfang 2020 mit einer Anklage der Bundesanwaltschaft.

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Tödlicher Stoß am Hauptbahnhof

Blumenmeer nach der Attacke am Hauptbahnhof Frankfurt

Am Frankfurter Hauptbahnhof stößt Ende Juli ein Mann einen acht Jahre alten Jungen und dessen Mutter vor einen einfahrenden ICE. Die Frau kann sich retten, ihr Sohn stirbt. Der Fall löste eine bundesweite Debatte über die Sicherheit an Bahnhöfen aus.

Wann es zum Prozess kommt, ist noch unklar. Zuständig ist dann voraussichtlich das Landgericht Frankfurt. Der Staatsanwaltschaft zufolge soll der Verdächtige wegen einer psychischen Erkrankung zur Tatzeit schuldunfähig gewesen sein. Daher soll es in einem Prozess um dessen Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus gehen.

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Attacken mit Lkw und Axt

Der Lastwagen rammte mehrere Wagen in der Limburger Stadt.

Zwei Angriffe wühlen im Herbst Limburg auf. Anfang Oktober fährt ein Mann vor einer Kreuzung mit einem gekaperten Lastwagen auf mehrere Fahrzeuge auf. Dabei werden acht Menschen sowie der Verdächtige leicht verletzt.

Wenige Wochen später wird eine Frau mutmaßlich von ihrem Ehemann brutal getötet. Er soll sie zunächst mit einem Auto überfahren und dann unter anderem mit einer Axt auf sie eingeschlagen haben. In beiden Fällen werden im Verlauf des kommenden Jahres die Prozesse erwartet.

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Soldat unter Terrorverdacht

Bundeswehruniform

Das Oberlandesgericht Frankfurt verhandelt regelmäßig gegen Terrorverdächtige. Zu erwarten ist, dass sich die Richter auch 2020 mit den Fällen von mutmaßlichen Anhängern der Terrormiliz IS beschäftigen müssen.

Dann wird es wohl auch zum Prozess gegen den Bundeswehrsoldaten Franco A. kommen. Nach Angaben des Gerichts wurde die Anklage gegen ihn wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat durch einen Beschluss des Bundesgerichtshofs zugelassen. Dem aus Offenbach stammenden A. wird vorgeworfen, aus rechtsextremer Gesinnung einen Anschlag geplant zu haben. Dabei sollen er es unter anderem auf den früheren Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) und die Vizepräsidentin des Bundestags, Claudia Roth (Grüne), abgesehen haben.

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Vergifteter Kaffee

Krankenschwester bereitet Medikamente vor.

Das Landgericht Gießen erwartet den Prozess gegen eine Krankenschwester, die versucht haben soll, ihre Kollegen mit Beruhigungsmitteln zu vergiften. Der Vorwurf: Die Frau versetzte zweimal im September 2017 und einmal im März 2019 Kaffee und Plätzchen mit den Arzneien und gab sie in der Teeküche eines Bad Nauheimer Krankenhauses aus. Fünf Personen erlitten den Ermittlern zufolge Gesundheitsprobleme, einmal bestand sogar Lebensgefahr. Vor Gericht wird die Verdächtige wegen gefährlicher Körperverletzung stehen und in einem Fall auch wegen versuchten Mordes.

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Tod im Teich

An den Löschteich legten Menschen Kuscheltiere, Blumen und Kerzen.

2016 ertrinken drei Geschwister im Alter von fünf, acht und neun Jahren in einem Dorfteich im nordhessischen Neukirchen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Bürgermeister der Gemeinde deswegen fahrlässige Tötung vor. Er soll es als Verantwortlicher für Sicherungsmaßnahmen versäumt haben, das Gewässer als mögliche Gefahrenquelle abzusichern und einzuzäunen.

Der Termin für den Prozess am Amtsgericht Schwalmstadt steht bereits fest: Die Verhandlung soll im neuen Jahr am 9. Januar beginnen.

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