Frank Hannig (li.) und Mustafa Kaplan

Der Verteidiger des Hauptangeklagten im Lübcke-Prozess hat schwere Vorwürfe gegen seinen Ex-Kollegen Frank Hannig erhoben. Der ehemalige Verteidiger von Stephan Ernst habe Teile des zweiten Geständnisses erfunden.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Verteidiger im Lübcke-Prozess belastet Ex-Kollegen

Stephan Ernst sein Anwalt Frank Hannig
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Am 16. Verhandlungstag im Lübcke-Prozess hat der Anwalt des Hauptangeklagten Stephan Ernst, Mustafa Kaplan, seinen früheren Mitverteidiger Frank Hannig belastet.

Hannig habe ihm gegenüber erklärt, sich Teile des zweiten Geständnisses von Ernst ausgedacht zu haben, sagte Kaplan am Montag als Zeuge vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt.

"Verwundert, dass er das eingeräumt hat"

"Ich war verwundert, dass er das eingeräumt hat, dass er eine Lüge produziert hat", so Kaplan. Demnach hatte Hannig Ernst aussagen lassen, dass der Mitangeklagte Markus H. den tödlichen Schuss auf Kassels Regierungspräsidenten Walter Lübcke abgab. So habe Hannig H. zu einer Aussage bewegen wollen.

Wie Kaplan weiter ausführte, habe Hannig bei dem Gespräch im Juli "sinngemäß" gesagt, dass er in einem Strafverfahren ja lügen dürfe. Er habe Hannig entgegengehalten, dass ein Angeklagter lügen dürfe, ein Verteidiger nicht. Eine Aussprache zu diesem Thema habe es dann nicht mehr gegeben.

Neu ist diese Anschuldigung gegen den Ex-Verteidiger von Ernst nicht. Der Angeklagte selbst hatte nach seinem dritten Geständnis erklärt, dass ihn Hannig zu den falschen Angaben bewegt habe. Ende Juli trennte sich Ernst wegen Zerrüttung des Vertrauensverhältnisses von Hannig.

Inzwischen drei Geständnisse

Ernst hat seit seiner Verhaftung drei Geständnisse mit unterschiedlichem Inhalt abgelegt. In seinem dritten und jüngsten Geständnis Anfang August übernahm Ernst wiederum die Verantwortung für den tödlichen Schuss auf Lübcke.

Vor Gericht geht es momentan darum, wie die drei Geständnisse zustande gekommen sind. Dazu wurde der aktuelle Verteidiger Mustafa Kaplan in Teilen von seiner anwaltlichen Schweigepflicht entbunden und als Zeuge gehört. Hannig soll an einem anderen Tag befragt werden.

Der Auftritt eines anderen Ex-Anwalts von Ernst war am Montag dagegen schnell beendet: Dirk Waldschmidt hatte den Angeklagten nach seiner Festnahme kurzzeitig vertreten, einzelne Umstände gelten aber als dubios. Das Gericht unterbrach die Befragung Waldschmidts, als bekannt wurde, dass er auch Ernsts Frau in einem Verfahren vertreten hatte und daher zu wesentlichen Fragen nicht reden durfte. Er soll später noch einmal vorgeladen werden. Klärung erhofft sich das Gericht unter anderem in der Frage, ob und von wem der Familie von Ernst finanzielle Hilfen versprochen wurden für ein Geständnis.

Walter Lübcke war im Juni 2019 vor seinem Haus in Wolfhagen (Kassel) erschossen worden. Stephan Ernst soll ihn aus rechtsextremistischen Motiven getötet haben. Ernst ist wegen Mordes angeklagt, Markus H. wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen.

Sendung: hr-iNFO, 07.09.2020, 19.17 Uhr