Geschasster Verteidiger: Frank Hannig.

Der ehemalige Verteidiger von Stephan Ernst, Frank Hannig, sollte am Dienstag aussagen - tat dies dann aber nur sehr eingeschränkt. Der Hauptangeklagte im Lübcke-Prozess wirft dem Dresdner Juristen vor, ihn zu einer falschen Einlassung überredet zu haben.

Im Verfahren um den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat der ehemalige Verteidiger des Hauptangeklagten Stephan Ernst, Frank Hannig, am Dienstag die Aussage größtenteils verweigert. Der Dresdner Anwalt berief sich auf sein Auskunftsverweigerungsrecht gemäß Paragraf 55 StPO. Demnach muss er keine Aussage tätigen, die ihn selbst der Gefahr der Strafverfolgung aussetzen würde.

Von JVA-Bedienstetem kontaktiert

Im Beisein eines Zeugenbeistands machte Hannig lediglich Angaben zur Anbahnung des Mandatsverhältnisses mit Stephan Ernst. Hannig behauptet im Juni 2019 von einem Bediensteten der JVA Kassel informiert worden zu sein, dass Ernst einen Anwalt benötige. "Und zwar einen wie mich", so Hannig. Dass er von einem JVA-Mitarbeiter kontaktiert worden sei, erklärt sich Hannig damit, dass er "unter Justizvollzugbediensteten bekannt" sei. Dies sei die Folge einer Mandatsübernahme, die bundesweit Beachtung fand.

Hannig hatte unter anderem einen Justizvollzugbeamten aus Chemnitz vertreten, der 2018 nach einer tödlichen Messerstecherei einen Haftbefehl mit persönlichen Daten eines Tatverdächtigen veröffentlicht hatte. Die Tat hatte seinerzeit tagelange Proteste unter Federführung von AfD und anderen rechten Gruppierung ausgelöst, an denen sich auch die beiden Angeklagten im Lübcke-Prozess beteiligten.

Hannig soll falsches Geständnis erfunden haben

Stephan Ernst hatte seinen ehemaligen Anwalt bezichtigt, ihm dazu geraten zu haben, sein erstes Geständnis vom Juni 2019 zurückzunehmen und in einer weiteren Einlassung den Mitangeklagten Markus H. für den tödlichen Schuss auf Walter Lübcke verantwortlich zu machen. Ernsts aktueller Verteidiger Mustafa Kaplan hatte bereits ausgesagt, dass Hannig dies ihm gegenüber eingeräumt hätte.

Hannig war am 8. Prozesstag als Verteidiger entpflichtet worden, nachdem er ohne Absprache mit seinem Co-Verteidiger und seinem Mandanten Beweisanträge gestellt hatte.