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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Schlag gegen Auto-Betrügerbande im Rhein-Main-Gebiet

Neu- und Gebrauchtwagen bei einem Autohändler

Falsche Papiere und Scheinfirmen: Eine Bande von Autohändlern soll im großen Stil Steuern hinterzogen haben. Seit über zwei Jahren sind die Ermittler auf der Spur, jetzt schlugen sie erneut zu.

"In diesem Verfahren müssen viele Steine umgedreht werden", sagte Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk am Donnerstag dem hr. Es geht um Steuerhinterzeihung im großen Stil - und betrügerische Autohändler, bei denen die Ermittler davon ausgehen, dass sie zu "mehreren miteinander verbundenen Familienverbänden" gehören. Bereits seit Juni 2018 ermittelt die Eingreifreserve der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt gemeinsam mit der Steuerfahndung gegen diesen komplexen Fall von Clan-Kriminalität. Nun schlugen die Beamten erneut zu.

Im Visier der Fahnder standen drei 20, 24 und 42 Jahre alte Männer aus dem Wetteraukreis und dem Kreis Offenbach. Sie sollen als Teil eines weit verzweigten Familiengeflechts jahrelang beim Handel mit teuren Autos die Umsatzsteuer nicht abgeführt haben. Außerdem arbeiteten sie nach Ansicht der Ermittler mit falschen Papieren und Scheinfirmen.

Ermittlungen gegen 31 Beschuldigte

Gegen die Tatverdächtigen wurden laut Generalstaatsanwaltschaft Arrestanordnungen in Höhe von insgesamt rund 350.000 Euro vollstreckt. Festnahmen gab es nicht. Aber bei den Durchsuchungen, die bereits zwischen Mittwoch vergangener Woche und Mittwoch dieser Woche im Wetteraukreis, im Kreis Offenbach und im Kreis Aschaffenburg stattfanden, konnten den Ermittlern zufolge zahlreiche Beweismittel sowie Wertgegenstände wie Luxusautos und Bargeld sichergestellt werden. Auch ein Bargeldspürhund war dabei im Einsatz.

Insgesamt wird in dem Verfahren jetzt gegen 31 Beschuldigte ermittelt. Gegen zwölf von ihnen wurden bereits Anklagen erhoben. Die Schadenssumme, die die Bande dem Staat verursacht haben soll, ist enorm: Es geht um mehr als 2,6 Millionen Euro. Bisher wurden bei zahlreichen Durchsuchungen 20 hochwertige Kraftfahrzeuge sowie Wertgegenstände und Bargeld im Gesamtwert von etwa 120.000 Euro beschlagnahmt.

Tachos manipuliert

Zuletzt hatten die Ermittler in dem komplexen Verfahren im Dezember 2019 zugeschlagen. Damals waren drei Tatverdächtige festgenommen worden. Ihnen wurde nicht nur Steuerhinterziehung, sondern auch Manipulation an Gebrauchtwagen vorgeworfen. Sie sollen Unfallwagen oberflächlich repariert, bei ihnen den Tacho frisiert und die Autos dann zu überhöhten Preisen verkauft haben. Ob die jetzt ins Visier genommenen drei Männer ebenfalls an den Autos manipuliert haben könnten, wird noch ermittelt. Eines ist nach Einschätzung von Oberstaatsanwalt Ungefuk ohnehin klar: "Wir sind weit gekommen in diesem Komplex, aber es wird noch weitere Verfahren geben."

Sendung: hr-iNFO, 29.10.2020, 13:00 Uhr