Teilnehmer der Mahnwache vor der Westend-Synagoge in Frankfurt

Nach den tödlichen Schüssen nahe einer Synagoge in Halle sind die Sicherheitsbehörden in erhöhter Alarmbereitschaft. Die Polizeipräsenz an jüdischen Einrichtungen wurde verstärkt. In Frankfurt fand eine Mahnwache statt.

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zum hr-fernsehen.de Video Nach tödlichen Schüssen in Halle

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Die Polizei geht inzwischen von einem rechtsextrem gesinnten Einzeltäter aus: Der 27-jährige Deutsche soll am Mittwochmittag mitten in Halle (Sachsen-Anhalt) zwei Menschen erschossen haben. Ein Todesopfer lag gegenüber einer Synagoge. Am frühen Nachmittag meldete die Polizei die Festnahme einer Person. Die Ermittler waren zunächst von mehreren Tätern ausgegangen. Nach späteren Informationen aus Sicherheitskreisen hieß es, alles deute auf einen Einzeltäter hin.

Keine konkrete Bedrohungslage in Hessen

Erhöhte Wachsamkeit herrscht auch bei der Polizei in Hessen. Die Sprecher verschiedener Polizeipräsidien sagten auf hr-Nachfrage, sämtliche Kollegen seien sensibilisiert. Vor allem an jüdischen Einrichtungen wurde die Präsenz verstärkt. Beim Frankfurter Polizeipräsidium hieß es: "Aufgrund der Ereignisse sind wir im Stadtgebiet mit starken Kräften im Einsatz." Es handele sich um eine Routinemaßnahme. Eine konkrete Bedrohungslage gebe es nicht. Ähnlich äußerten sich auch die Sprecher anderer Präsidien.

Verstärkte Polizeipräsenz auch an der Synagoge in Gießen.

Man befinde sich im Gespräch mit den Verantwortlichen der jüdischen Gemeinde, teilte das Polizeipräsidium Südosthessen mit. Im dortigen Zuständigkeitsbereich befinden sich etwa Synagogen in Hanau und Offenbach. Derzeit feiern Juden auf der ganzen Welt den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur.

Mahnwache in Frankfurt

In Frankfurt fand am Mittwochabend an der Westend-Synagoge eine Mahnwache für die Opfer statt. "Wir gedenken der Toten, und unser Mitgefühl gilt den Verletzten und Angehörigen. Wir sind da, wir solidarisieren uns, wir halten zusammen", hieß es im Aufruf der Grünen.

Video zeigt Schützen mit Langwaffe

Die Ermittler gehen in Halle von einer antisemitischen beziehungsweise rechtsradikalen Motivation des Täters aus. Bei dem Angriff legte der Täter auch selbstgebastelte Sprengsätze vor der Synagoge ab. Er versuchte, in das jüdische Gotteshaus einzudringen.

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zum Video Video aus Halle: Täter schießt mit Pumpgun um sich

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Neben den Schüssen nahe der Synagoge soll nach Informationen der Bild-Zeitung eine Handgranate auf den jüdischen Friedhof von Halle geworfen worden sein. Der Täter soll zudem in einen nahe gelegenen Döner-Imbiss geschossen haben, wie mehrere Augenzeugen berichteten.

Ein Video zeigt den mutmaßlichen Täter, der einen Kampfanzug und eine Maschinenpistole getragen haben soll. Er steigt aus seinem Auto aus und schießt mehrfach mit einer Langwaffe in unbekannte Richtung. Offenbar streamte der 27-Jährige seine Tat auch live im Internet.

Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat die Ermittlungen übernommen. Ein Sprecher der obersten Anklagebehörde sagte am Mittwoch, die Bundesanwaltschaft habe sich eingeschaltet wegen der besonderen Bedeutung der Tat für die Bundesrepublik. Die Behörde konnte nicht sagen, ob es eine Verbindung des Vorfalls in Halle zu weiteren möglichen Schüssen im benachbarten Landsberg gebe.

 Polizisten sichern die Umgebung nach den Schüssen in Halle (Sachsen-Anhalt).

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier zeigte sich in einer ersten Stellungnahme "zutiefst erschüttert über die furchtbaren Ereignisse" in Halle. Der CDU-Politiker sprach den Opfern und ihren Familien sein Mitgefühl aus.

Sendung: hr-fernsehen, maintower, 09.10.2019, 18.00 Uhr