Die Mainfähre hat sich am Ufer bei Mühlheim festgefahren.

Seit eineinhalb Jahren steht die Mainfähre zwischen Mühlheim und Maintal-Dörnigheim still. Jetzt versteigert sie der Kreis Offenbach bei Ebay. Mehr als 30 Gebote wurden schon abgegeben.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Mainfähre wird versteigert

Mainfähre vom Deck fotografiert.
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Die Fährverbindung auf dem Main zwischen Mühlheim und Maintal-Dörnigheim hat nach fast 120 Jahren Betrieb zuletzt unrühmliche Geschichte geschrieben: Erst ruhte sie monatelang, um dann für einen Tag wieder in Betrieb genommen und nach einer Panne sofort wieder stillgelegt zu werden.

Nun hat der Kreis Offenbach das Projekt offenbar vollständig aufgegeben: Das "Fährschiff mit Baujahr 1963" steht noch bis kommenden Montag auf der Plattform Ebay zum Verkauf. Mindestgebot: ein Euro.

Dutzende Gebote abgegeben

Die Fähre habe kein gültiges Fährzeugnis mehr, sei aber fahrtüchtig, schreibt der Kreis in der Produktbeschreibung. Der Fahrkörper sei in diesem Jahr komplett erneuert worden. Der Dieselmotor erfülle zwar nicht mehr die modernen Abgasstandards, dürfe aber trotzdem noch genutzt werden.

Einen Haken hat die Sache allerdings: Der Käufer müsste die Fähre selbst abholen und transportieren. Momentan ruht sie im Frankfurter Osthafen.

Trotzdem gibt es zahlreiche Interessenten: Mehr als 30 Gebote lagen am Mittwoch (Stand: 13 Uhr) schon vor, das Höchstgebot lag bei rund 350 Euro. Damit scheint der Verkauf der Fähre gesichert.

Zollamt wollte Fähre nicht versteigern

Der Kreis werde die abgegebenen Angebote allerdings noch prüfen, sobald die Auktion beendet sei, sagte eine Sprecherin dem hr. "Sollte es sich um ein Fake-Angebot handeln, werden wir die Fähre wohl nicht abgeben." Auf der Plattform werde aber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ein Gebot eigentlich zum Kauf verpflichte.

Fährpersonal sei schwierig zu finden, sagte die Kreissprecherin. Wer die Fähre in Betrieb nehmen möchte, brauche ein Binnenschifferpatent und eine Zulassung für eine Fährstelle. Außerdem handelt es sich bei der Mainfähre um eine Wagenseilfähre, die eine entsprechende Anlage benötigt. Der Kreis habe zunächst versucht, die Fähre bei einer Zollauktion anzubieten. Sie sei aber abgelehnt worden, weil sie nicht den Kriterien entsprochen habe.

Führungsseil gerissen

Im Juli 2019 hatte der Kreis der Fähre über den Main noch eine letzte Chance gegeben. Nachdem der alte Pachtvertrag wegen Sicherheitsmängeln im Herbst 2017 aufgekündigt worden war, übernahm sie ein branchenfremder Betreiber. Doch bereits wenige Stunden nach der Wiederaufnahme kam es zur Havarie: ein Führungsseil an der Fähre riss entzwei. Die Verbindung stand wieder still.

Ein neuer Betreiber wurde bis heute nicht gefunden. Zwar wäre es möglich gewesen, den Betrieb der Fähre in Eigenregie zu übernehmen, doch für diese Möglichkeit hatte der Kreisausschuss ein jährliches Defizit von 183.000 Euro errechnet. Im Juni besiegelte der Kreistag schließlich das endgültige Aus der Fährverbindung.

Der Steuerzahlerbund kritisiert, der Kreis habe zu lange an der Fähre festgehalten, obwohl es Alternativen gebe. Das Schiff sei 2017 nach der Stilllegung für 117.000 Euro instand gesetzt und dann dem neuen Betreiber anvertraut worden. Unter dessen Regie sei es nach vier Stunden manövrierunfähig gewesen. Aus Sicht des Steuerzahlerbunds zog der Kreis viel zu spät die Reißleine.

Sendung: hr4, 02.12.2020, 7.30 Uhr