Denise Leddin

Massive Knochenbrüche an den Beinen, schwere Verletzungen an Kopf und Wirbelsäule: Ein Unfall kostet Denise Leddin vor elf Jahren fast das Leben. Sie fängt an zu kämpfen, heute läuft sie Marathon, statt im Rollstuhl zu sitzen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Nach schwerem Unfall bis auf die Marathonstrecke zurück gekämpft

Denise Leddin und Gabor Salay
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Es war ein Horror-Unfall, der sich im September 2008 in Wölfersheim ereignete. Denise Leddin wurde nachts als Fußgängerin von einem Auto erfasst und über Kühler und Dach geschleudert. Die Fahrerin des Wagens flüchtete und ließ ihr Opfer alleine liegen. Dabei trug die damals 28-Jährige schwerste Verletzungen davon: Ein Schädel-Hirn-Trauma, eine Wirbelsäulenverletzung und den trümmerhaften Durchbruch beider Schienbeine. Wie kann es für die Hobbyläuferin weiter gehen?

Ärzte geben schlechte Prognose

"Wir kriegen oft solche Patienten“, sagt der Gießener Unfallchirurg Professor Gabor Salay. Und dann sei häufig fraglich, ob sich das Gehirn überhaupt wieder erholt. Leddin erholte sich aber zumindest geistig recht schnell. Die Kopf- und Wirbelsäulenverletzungen heilten dann als nächstes. Doch der Bruch ihrer beiden Schienbeine machte der jungen Frau lange und schwer zu schaffen. Sie musste befürchten, ihr Leben lang auf Krücken oder den Rollstuhl angewiesen zu sein.

Die Prognose der Ärzte war nicht gut, auch Professor Salay hielt eine vollständige Genesung für wenig wahrscheinlich. "Wenn man sich die Unterschenkel so schwer verletzt, dann ist das sehr fraglich ob man wieder ein freies Gangbild hinbekommt." Deswegen seien auch sehr viele Tränen geflossen, erinnert sich der Mediziner. Insgesamt acht Mal wurde die Patientin kompliziert operiert.

Krücken und Rollstuhl waren keine Option

Trotz aller Probleme über einen Zeitraum von zwei Jahren stand für Denise Leddin eines von Anfang an fest: "Krücken oder Rollstuhl waren für mich keine Option." Mit einem unbändigen Willen machte sie ihre krankengymnastischen Übungen und nahm heftige Schmerzen in Kauf. Eineinhalb Jahre nach dem schweren Unfall konnte sie wieder arbeiten gehen. Nach und nach kam ihr altes Leben zurück und sie konnte vorwärts schauen.

Marathon gelaufen - ohne Schmerzen

Denise Leddin mit einer Freundin als Finisherin beim Marathon

Inzwischen hat die 39-Jährige nach den schweren Jahren geheiratet und einen Sohn geboren. Und vor drei Jahren hat sie auch ihr Hobby von früher wieder aufgenoommen. "Ich bin vor dem Unfall schon gelaufen und wollte auch danach wieder laufen." Anfangs gab es dabei noch Probleme, aber sie bleib dran und schaffte es. Denise trainierte mehrmals pro Woche und lief vor drei Jahren in Marburg mit einer Freundin zunächst einen Halbmarathon. Weil ihr dies so gut gefiel, trainierte sie weiter und startete im letzten Jahr in Luxemburg erstmals bei einem ganzen Marathon. Schmerzen hatte sie dabei keine, genauso wenig wie im Mai, bei ihrem zweiten Marathon. Nur manchmal "beim Wetterumschwung" spüre sie etwas. Und die Narben erinnern sie täglich an den Unfall und die schweren Jahre danach.

Professor: "Der Wille hat sie auf die Beine gebracht."

Nach ihrem Lauferfolgen nahm sich Denise Leddin ein Herz und schrieb ihrem damaligen Operateur Gabor Salay eine Mail. "Ich war so gerührt, dass ich Gänsehaut bekam", sagt der Professor. "Wenn man sich die Unterschenkel so verletzt, dann ist natürlich das Ziel, den Patienten auf die Füße zu kriegen. Aber nicht, dass man einen Marathon läuft." Für den Unfallchirurgen ist die ganze Geschichte aber nicht nur herzerweichend. Sie sei auch motivierend für andere Patienten, die etwas ähnliches erlebten. "Dieser unbändige Wille hat ausgemacht, dass sie wieder auf die Füße gekommen ist."

Sendung: hr4, 24.9.2019, 16.15 Uhr