Mann gießt Blumen im Hochsommer mit Schlauch

Die anhaltende Trockenheit führt in Hessen zu einer Knappheit des Trinkwassers. In einigen Kommunen gilt bereits der Notstand. Und wer sich in zwei Landkreisen unerlaubt aus Bächen und Flüssen bedient, muss bis zu 100.000 Euro bezahlen.

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hs
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Je trockener die Böden und heißer die Luft, desto höher ist der Wasserverbrauch bei den Hessen. Dementsprechend bewegt sich das Land seit Tagen am Anschlag. Und das bekommen die Kommunen zu spüren. Das Wasser ist knapp, in manchen Gegenden bedrohlich knapp.

So zogen die Taunus-Gemeinden Grävenwiesbach, Schmitten und Weilrod bereits die Reißleine und stellten den "Trinkwassernotstand" fest. In anderen Gemeinden könnte dies drohen. In Kronberg oder Oberursel steht die Wasserampel bereits auf Rot - einen Schritt vor dem Notstand.

Es dann verboten, Trinkwasser zu verschwenden, zu speichern oder zur Bewässerung von Gärten oder landwirtschaftlich genutzten Flächen, zum Befüllen von Schwimmbecken oder zur Autowäsche zu nutzen.

Das Verbot erstreckt sich nach Angaben der Stadt Grävenwiesbach über das gesamte Gemeindegebiet zunächst bis Ende August. Gleiches gilt für Schmitten oder Weilrod. Wer dennoch unzulässigerweise den Hahn aufdreht, muss möglicherweise tief in die Tasche greifen. "Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis 5.000 Euro geahndet werden", heißt es in der erst im vergangenen Jahr erlassen Gefahrenabwehrverordnung von Schmitten.

Mehr als die Hälfte der Grundwasserbestände zu knapp gefüllt

In Hessen wird nach Angaben des Umweltministeriums 95 Prozent des Trinkwassers aus Grundwasser gewonnen. Dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie zufolge sind wegen der lang anhaltenden Trockenheit der vergangenen beiden Jahre die Grundwasserstände verbreitet auf ein niedriges Niveau gesunken. Ende Juli seien die Grundwasserstände an 60 Prozent der Messstellen unterdurchschnittlich gewesen.

Versorger mahnen: "Bei länger anhaltender Trockenheit kann es zu vorsorglichen Einschränkungen der Trinkwasserversorgung kommen. Deshalb sollten alle Bürgerinnen und Bürger stets prüfen, wann und für welchen Zweck das hochwertige Lebensmittel Trinkwasser verwendet wird", sagte der Geschäftsführer des Zweckverbandes Mittelhessische Wasserwerke (ZMW), Karl-Heinz Schäfer.

Der ZMW, der rund 500.000 Menschen in 27 mittelhessischen Gemeinden versorgt, habe bereits Anfang Juni zum Wassersparen aufgerufen. Gefährdet sei die Trinkwasserversorgung derzeit aber noch nicht.

Überlastung der Versorgungsnetze droht

Auch der Wasserversorger Entega in Südhessen mahnt: "Grundsätzlich sollte man sparsam und bewusst mit dem Trinkwasser umgehen." Gerade an den heißen Sommertagen sollte man in den Spitzenverbrauchszeiten zwischen 7 Uhr und 9.30 Uhr und abends zwischen 18 und 21 Uhr keine großen Wassermengen unnötig abzapfen, sagte Sprecher Michael Ortmanns. Diese würden sich auf die ohnehin schon hohen Verbrauchswerte addieren und könnten zu Überlastungen und Druckreduzierungen der Versorgungsnetze führen.

Entega versorgt rund nach eigenen Angaben rund 240.000 Menschen Wasser. Der durchschnittliche Verbrauch im Versorgungsgebiet liege bei 40.000 Kubikmetern pro Tag, an Spitzentagen im Sommer bei rund 70.000.

Kreise drohen mit hohen Strafen

Die Landkreise Kassel und Hersfeld-Rotenburg greifen wegen der Trockenheit und gleichzeitiger Aussicht auf weitere Hitzetage zu strengen Maßnahmen. Bäche, Flüsse und Seen sind zum Wasserschöpfen ab sofort tabu. "Auch das Schöpfen von Hand", wie der Kreis Kassel mitteilte. Ausgenommen seien dort nur die Flüsse Fulda und Weser.

Der geringe Wasserstand und die starke Erwärmung machten Tieren und Pflanzen schwer zu schaffen. Insbesondere an kleineren Gewässern bestehe die Gefahr, dass Tiere verenden.

Nicht davon betroffen ist in Notfällen zum Beispiel das Abpumpen von Löschwasser durch die Feuerwehr. Wer für seinen privaten Gebrauch Wasser entnimmt, muss mit empfindlichen Strafen rechnen. "Die Ordnungswidrigkeit kann im Einzelfall mit einem Bußgeld von bis zu 100.000 Euro geahndet werden", droht der Kreis.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 10.8.2020, 19.30 Uhr