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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Trio nach Angriffen auf Bahnverkehr verurteilt

Einer der Angeklagten (Mitte) beim Prozessauftakt im August

Sie legten Betonplatten auf Gleise, mehrere Züge kollidierten damit. Wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr hat das Marburger Landgericht drei Männer zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Haftstrafen zwischen zehn und viereinhalb Jahren – das sind die Urteile, die das Landgericht Marburg am Mittwoch gegen drei Männer verhängt hat, die mehrfach schwere Hindernisse wie Betonplatten oder Holzstämme auf Bahnschienen gelegt haben. Zudem hatte das Trio im Alter von 27 bis 51 Jahren nach Überzeugung des Gerichts mehrere Grill- und Schutzhütten angezündet.

Sechsstelliger Schaden, keine Verletzten

Mehrere Regional- und Güterzüge waren an den verschiedenen Tattagen zwischen November 2018 und August 2019 zwischen Schwalmstadt-Treysa und Wabern (beide Schwalm-Eder) mit den Hindernissen kollidiert. Die Züge, die dabei mit 80 bis 130 Stundenkilometern unterwegs waren, wurden beschädigt, entgleisten aber nicht. Verletzt wurde niemand.

Verurteilt wurden die Männer wegen schweren gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr sowie Brandstiftung beziehungsweise schwerer Brandstiftung. Durch die Taten soll ein Gesamtschaden in sechsstelliger Höhe entstanden sein. Die Angeklagten hatten sie vor Gericht im Wesentlichen eingeräumt. Wie ein Gerichtssprecher mitteilte, sind zwei der Täter einschlägig vorbestraft.

Vorwurf versuchter Mord fallengelassen

Die Anklage hatte ursprünglich auch auf versuchten Mord gelautet. Die Beschuldigten sollen das Entgleisen der Züge und dadurch den Tod von Menschen billigend in Kauf genommen haben, hatte die Staatsanwaltschaft zunächst argumentiert. Dies konnte den Männern jedoch nicht nachgewiesen werden.

Zudem schloss ein Gutachter im Prozess aus, dass ein Entgleisen der Züge durch die Hindernisse möglich gewesen wäre. Die Anklage sah deshalb schließlich vom Vorwurf des versuchten Mordes ab. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Sendung: hr, 4.11.2020, 18 Uhr