Randale nach Schlossgrabenfest in Darmstadt
Ausschreitungen am Herrngarten in Darmstadt Bild © Michael Seeboth (hr)

Eine Menschenmenge hat am frühen Sonntagmorgen in Darmstadt die Polizei angegriffen. 15 Beamte wurden verletzt, mehr als 100 Randalierer festgenommen. Innenminister Beuth sprach von einem Angriff gegen den Rechtsstaat.

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Eine größere Menschengruppe hat nach Ende des Schlossgrabenfestes am frühen Sonntagmorgen um kurz nach zwei Uhr im Darmstädter Herrngarten Polizisten angegriffen und einen Großeinsatz in der Innenstadt ausgelöst.

"Es waren sicher weit über hundert Personen, die sich da zusammengefunden hatten, Männer und Frauen", sagte ein Polizeisprecher zu hessenschau.de. Mehr als 100 Verdächtige seien festgenommen worden, teilte die Polizei am Sonntagnachmittag mit. Bis dahin hatte die Polizei von über 80 Festgenommenen gesprochen.

15 Beamte wurden verletzt, wie die Polizei mitteilte. Zwei Beamte seien zwar noch im Krankenhaus, können laut Polizei die Klinik aber voraussichtlich im Laufe des Sonntags verlassen.

Vermummte warfen Flaschen, "All Cops are Bastards"-Rufe

Die Beamten seien wegen einer Körperverletzung zum Herrngarten gerufen worden. Bei diesem Einsatz seien die Polizisten zunächst von Kleingruppen angegriffen worden. "Irgendwann ist diese Menschengruppe geschlossen gegen die Polizei vorgegangen", sagte der Polizei-Sprecher. Flaschen und andere Gegenstände seien geflogen. Einige der Angreifer seien vermummt gewesen.

Ein Sprecher bestätigte außerdem, dass die Menge immer wieder "A-C-A-B" (All Cops are Bastards - alle Polizisten sind Bastarde) skandiert hatte.

Um die Lage unter Kontrolle zu bringen, hatte die Polizei Verstärkung angefordert. Auch die Bundespolizei und ein Hubschrauber waren im Einsatz. Der Einsatz ging bis in den Morgen.

Ein Altkleider-Container wurde in Brand gesetzt, einige Fensterscheiben gingen zu Bruch. Der Bereich um den Herrngarten, der nicht zum Gebiet des Schlossgrabenfestes gehört, wurde geräumt und abgeriegelt.

Polizeieinsatz Darmstadt Herrngarten
Nach den Ausschreitungen in der Nacht bewachen am frühen Sonntagmorgen Polizisten eine Gruppe festgesetzter Männer. Bild © picture-alliance/dpa

Motiv unklar - "Planung oder Strategie nicht erkennbar"

Die Hintergründe der Attacken waren zunächst unklar. "Uns erschließt sich nicht, dass da eine Planung oder Strategie dahinter gesteckt hat", sagte der Polizeisprecher. Ersten Ermittlungen zufolge handelte es sich nicht um eine spezielle Gruppierung. Bei den Festgenommenen handele es sich überwiegend um Deutsche sowie um Menschen mit Migrationshintergrund.

Es wird unter anderem wegen Landfriedensbruchs ermittelt. Viele der Tatverdächtigen seien stark angetrunken gewesen.

Innenminister: Angriff gegen Rechtsstaat und Gesellschaft

Der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) sprach von einem ungeheuerlichen Angriff zahlreicher gewaltsuchender Chaoten. Es sei zugleich auch ein Angriff gegen unseren Rechtsstaat und unsere Gesellschaft, sagte er am Sonntag.

"Wer diejenigen angreift, die uns alle schützen, der muss eindeutige rechtsstaatliche und gesellschaftliche Verurteilungen zu spüren bekommen." Geldstrafen reichten nicht mehr aus. Er werde sich bei der Innenministerkonferenz kommende Woche für eine Verschärfung des Strafrechts bei Angriffen gegen Einsatzkräfte einsetzen.

Auch der Polizeipräsident des Präsidiums Südhessen, Bernhard Lammel, verurteilte die Attacken gegen seine Kollegen: "Solch ein Gewaltausbruch ist mit nichts zu rechtfertigen", sagte er.

Das viertägige Schlossgrabenfest endet am Sonntag. Mehr als 400.000 Besucher wurden auf Hessens größtem Musikfestival erwartet, mehr als hundert Bands sollten spielen.

Sendung: hr-iNFO, 03.06.2018, 06.00 Uhr