Ozonalarm Messstation

Wenn in diesen Tagen die Sonne kräftig scheint, flüchten viele Hessen in den Schatten. Der Sonnenschein bringt aber nicht nur Sonnenbrand und Hitze, sondern auch Ozon. Vor 25 Jahren wurde deswegen erstmals Alarm ausgelöst.

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Bei intensivem Sonnenschein muss man an vieles denken. Sind die Pflanzen versorgt? Ist noch Sonnencreme da? Steht das Auto im Schatten? An eine Sache wird heute eher nicht mehr gedacht: Wie hoch sind die Ozonwerte? Doch mit der intensiven Sonneneinstrahlung steigen auch die Ozonwerte.

Der "Ozonalarm" wird 25

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found 25 Jahre Ozonalarm in Hessen

Ozon Sonne
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Vor 25 Jahren war die Frage nach den Ozonwerten in Hessen äußerst präsent. Damals wurde bundesweit erstmals ein Ozonalarm von der damaligen rot-grünen Landesregierung ausgelöst. Die Ozonalarm-Grenze von 240 Mikrogramm pro Kubikmeter Ozon in der Luft wurde im Sommer 1994 drastisch überschritten. Über 300 Mikrogramm wurde in vielen hessischen Städten gemessen. Die Folge: eine strenge Ozonverordnung. Autos durften nur noch Tempo 90 auf der Autobahn fahren und Wagen ohne Katalysator, aus Angst vor dem gesundheitsschädlichen Reizgas, gar nicht mehr.

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Ist Ozon gefährlich?

Ozon ist ein Reizgas, das zum Beispiel tränende Augen auslösen kann oder die Lunge reizt. Ist die Lunge durch Krankheiten oder Rauchen vorgeschädigt, können kurzfristig hohe Werte schädlich sein. Einer gesunden Lunge sollten diese Mengen aber nichts ausmachen. Problematischer könne die Langzeitwirkung sein, denn eine ständige Belastung mit Ozon könnte die Struktur der Lunge verändern und langfristige Schäden verursachen.

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Heute gibt es diesen Ozonalarm immer noch. Auch liegt die Grenze immer noch bei 240 Mikrogramm. Nur die Landesregierung kann keine Ozonverordnung mehr erlassen, denn 1995 wurde die hessische Verordnung von einer Bundesverordnung abgelöst. Diese ist 1999 ausgelaufen. Der Ozonalarm lebt heute nur noch auf einem europäischen Papier. In der EU-Richtlinie stehen statt Fahrverboten und Tempolimits nur noch die Grenzwerte von 180 Mikrogramm und wieder 240 Mikrogramm, die jeweils bestimmen, wann die Bevölkerung informiert werden soll und ab wann der Alarm ausgerufen wird. Konkrete Maßnahmen gibt es nicht mehr.

Ozonspitzenwerte sind gesunken

Jacobi Ozon

So akut wie vor 25 Jahren ist die Lage nicht mehr. "Wir hatten in den 80er, 90er Jahren durchaus höhere Spitzenkonzentrationen, als wir sie heute vorfinden", sagt Stefan Jacobi vom Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie. Er sagt, dass das ein Zeichen dafür sei, dass über die Jahre zumindest ein gewisser Erfolg in der Ozon-Reduzierung erkennbar ist.

Wie entsteht Ozon?

Ein Grund für die gesunkene Konzentration sind sogenannte Vorläufer-Emissionen. Die sind für die Entstehung von Ozon auf dem Boden mitverantwortlich. Zum Beispiel Stickstoffoxide, die im Straßenverkehr oder in Feuerungsanlagen freigesetzt werden. Einfach erklärt: Die Energie der Sonneneinstrahlung bringt Stickoxide dazu, ein Sauerstoffatom abzugeben.

Dieses Atom verbindet sich dann mit Sauerstoffmolekülen (O2) zu Ozon (O3). Je intensiver die Sonne also strahlt, desto mehr Ozon ist tagsüber in der Luft. Und erst bei der Hitzewelle vor vier Wochen stieg die Ozon-Konzentration wieder an. Zweimal auf 180 Mikrogramm pro Kubikmeter, einmal sogar auf 240. "Wenn wir eine ausgeprägte Hochdruckwetterlage haben, also über mehrere Tage hinweg sehr intensive Sonneneinstrahlung, dann führt das dazu, dass sich die Konzentrationen sukzessive aufbauen", erklärt Jacobi.

"Wir haben immer noch eine hohe Hintergrundbelastung"

Ein Rückgang der Spitzenkonzentrationen bedeutet für den Umweltexperten Axel Friedrich allerdings nicht, dass wir uns heute in einer besseren Lage befinden. Er findet, das Thema Ozon sei in den letzten Jahren politisch vernachlässigt worden. Die Spitzenwerte der Ozon-Belastung seien zwar gesunken, aber es gebe keine Fortschritte mehr.

"Wir haben immer noch eine hohe Hintergrundbelastung für Menschen und Pflanzen. Und man muss auch wissen: Ozon ist auch klimarelevant", sagt Friedrich. Hintergrundbelastung bedeutet die durchschnittliche Ozon-Belastung über die vergangen Jahre. Die ist seit den 1990er Jahren relativ stabil. "Wir brauchen dringend Maßnahmen zur Minderung der Vorläuferemissionen. Das heißt die Betrügerei am Pkw, hat natürlich die Belastung erhöht", so Friedrich. Auch die Belastung durch Lösemittel aus der Industrie und im Haushalt solle gesenkt werden.

Land Hessen will Belastung senken

Ozon-Hintergrundbelastung NEU

Das Land Hessen dagegen sagt, es arbeite schon intensiv daran, die Belastung von Stickoxiden in den Städten mit geeigneten Maßnahmen zu senken, sagt eine Sprecherin des Landesamtes. Dazu gehöre die Förderung des Radverkehrs und der Ausbau des ÖPNV. "Ozonwerte können nur langfristig gesenkt werden, indem die Vorläufersubstanzen verringert werden". Wichtig sei hier, die von der EU festgelegten Emissionsgrenzwerte der Vorläufersubstanzen zu berücksichtigen und für ihre Einhaltung zu sorgen, so die Sprecherin.

Ozon-Belastung, was tun?

Ärzte raten bei hohen Ozonwerten von sportlicher Betätigung ab. Und nicht nur das: Mit den Werten einher geht auch die intensive Strahlung der Sonne. An diesen heißen Sommertagen ist es also ratsam, nicht nur an das Ozon zu denken, sondern auch für ausreichend Abkühlung und Schutz vor der Sonne zu sorgen.

Sendung: hr1, 26.07.2019, 5:47 Uhr