Brust Silikonimplantate, die im Operationssaal weitergegeben werden zum einsetzen

Brustimplantate können krank machen. Das merken viele Frauen und auch Ärzte allerdings oft zu spät. Eine Betroffene aus dem Kreis Kassel will mit einem Verein über die Gefahren aufklären und anderen Frauen jahrelange Arzt-Odysseen und schwere gesundheitliche Folgen ersparen.

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hessenschau vom 13.03.2021
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Birgit Schäfers ging jahrelang von Arzt zu Arzt, auf der Suche nach der Ursache für ihr Kranksein: Herzrythmusstörungen, extremer Hautausschlag, Müdigkeit, Sehstörungen, ständiger Reizhusten und Atemschwierigkeiten, Organprobleme und blau verfärbte Hände und Füße quälten sie. "Ich war bei allen Fachärzten, die man sich so denken kann", sagt Schäfers. Aber überall stieß sie nur auf Ratlosigkeit.

Schäfers hatte sich, vier Jahre bevor die Krankheitssymptome eintraten, Brustimplantate einsetzen lassen. Die Frau aus Lohfelden (Kassel) wollte sich besser fühlen, nachdem sie 40 Kilo abgenommen hatte. Als es ihr immer schlechter ging, entdeckte sie im Internet amerikanische Seiten, die sich mit der "Breast Implant Illness" (Brust-Implantat-Krankheit) auseinandersetzten. Die Betroffenen beschrieben dort ganz ähnliche Schwierigkeiten.

Schäfers: "unfassbare Schicksale"

Schäfers entschied sich schließlich 2016 für eine Explantation, die Herausnahme der Implantate, sechs Jahre nachdem sie eingesetzt wurden. Eines der Kissen war beschädigt, Silikongel musste in einer sechsstündigen Operation aus Schäfers Gewebe entfernt werden. Schäfers begann, Aufklärung zu betrieben. Mittlerweile gibt es die Internetseite krank-durch-brustimplantate.de für betroffene Frauen und eine Facebook-Seite mit über 3.600 Mitgliedern. Auf der Internetseite berichten viele Frauen von ihrem Leidensweg. Seit Oktober 2020 gibt es auch den Verein "Risiken von Silikonimplantaten", der die Krankheit in Deutschland bekannter machen soll.

Viele Frauen würden allein gelassen, sagt Schäfers: "Die meisten Frauen, die zu uns kommen, haben eine jahrelange Arzt-Odyssee hinter sich. Manche haben einen Pflegegrad, manche können nicht mehr laufen. Da sind Schicksale dabei, die sind unfassbar." Solche Erfahrungsberichte hört Schäfers inzwischen täglich.

Birgit Schäfers sitzt vor Akten zu ihrem Fall

Betroffene: Explantation war Befreiung

Eines der Schicksale ist das von Alejandra Salgado-Quevedo. Der Hamburgerin mussten nach einer Krebserkrankung die Brüste abgenommen werden, sie wurden mit plastischer Chirurgie durch Implantate ersetzt. Salgado-Quelvedo fühlte sich danach jeden Tag krank, hatte starke Schmerzen - und das, nachdem sie schon eineinhalb Jahren gegen den Krebs gekämpft hatte. Dann fand sie Birgit Schäfers' Seite und entschied sich für eine Explantation. "Das war wirklich eine Befreiung, die los zu werden", sagt sie. Ohne die Implantate gehe es ihr viel besser.

Aber was machen die Implantate im Körper? Es wird vermutet, dass es sich um eine Immun-Abwehrreaktion auf den Fremdkörper handeln könnte, der Körper kann sehr unterschiedlich reagieren. Der plastische Chirurg Georgios Kolios beschäftigt sich schon länger mit dem Phänomen "Breast Implant Illness".

Der Hesse arbeitet in der Klinik Fleetinsel in Hamburg. Betroffene Frauen hätten oft einen langen Leidensweg mit unterschiedlichsten Beschwerden hinter sich. Erst durch ein Ausschlussprinzip bei Fachärzten könne am Ende festgestellt werden, dass die Implantate die Ursache sind.

Chirurg: Die Frauen ernst nehmen

Die Frauen müssten ernst genommen werden, sagt Kolios: Der bösartige Blutkrebs ALCL könne zumindest zu einem geringen Prozentsatz auf Implantate zurückgeführt werden. Insofern sollten Ärzte Implantate auch bei anderen Problemen zumindest als Ursache in Betracht ziehen, findet der Chirurg.

Keiner von Schäfers' Ärzten hat diese mögliche Verbindung zwischen ihren Krankheitssymptomen und den Bustimplantaten gesehen, wie sie sagt. Am Ende wurden ihr Psychopharmaka empfohlen, denn ihre Psyche könne schuld sein.

Schäfers will mit ihrem Verein erreichen, dass Frauen vor einem Eingriff in der Brust zumindest mal von möglichen Risiken und den schlechten Erfahrungen hunderter Frauen gehört haben: "Wenn eine Frau am Ende sagt, ich gehe das Risiko ein, ich will das, dann ist das so. Aber die wenigsten Frauen sind überhaupt aufgeklärt über die Risiken."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 08.03.2021, 19.30 Uhr