Dejan Kovacevic auf seinem Tretroller
Dejan Kovacevic will mit seinem Tretroller über den Highway. Bild © hessenschau.de

Vom Atlantik an den Pazifik in gut drei Wochen - das ist die Mission von Dejan Kovacevic. Der 44-Jährige aus dem Marburger Hinterland will die USA auf dem Tretroller durchqueren. Der Grund dafür ist relativ simpel.

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Vor dem Regen hat er ein bisschen Angst, sagt Dejan Kovacevic. "Wenn die Schuhe zwölf Stunden lang nass sind, musst du die erst mal trocken kriegen. Und ich kann nur ein Paar mitnehmen."

Worüber er sich sonst noch Sorgen macht, während er am Küchentisch im Breidenbacher Ortsteil Kleingladenbach (Marburg-Biedenkopf) sitzt: Giftschlangen im Gras von Texas. Und dass irgendwann ein State Trooper kommt und sagt: "Mit dem Tretroller auf dem Highway, ihr habt sie doch nicht mehr alle. Feierabend."

Acht Staaten in 25 Tagen

Denn für Umwege hat der 44-Jährige keine Zeit, wenn er Ende Februar zusammen mit seinem Paderborner Sportskamerad Patrick Oswald nach Miami fliegt, um von dort aus nach Los Angeles zu fahren – auf dem Tretroller. "Florida, Louisiana, Mississippi, Alabama, Texas, New Mexico, Arizona, Kalifornien", zählt er auf. Acht Staaten, knapp 5.000 Kilometer, davon 1.800 über den Highway, 15.000 Höhenmeter, vier Zeitzonen.

Und nur 25 Tage. Das bedeutet dann: morgens um sechs Uhr losfahren, um 22 Uhr im nächsten Motel ankommen; dazwischen rund 200 Kilometer fahren, in den ersten Tagen ein bisschen mehr, denn spätestens in Texas beginnen die Berge. Mitnehmen wird er nicht viel, er muss ja alles im Rucksack tragen. Wichtig sind Klopapier, zwei bis drei Unterhosen und Regenklamotten.

In sechs Tagen aus dem Hinterland auf die Zugspitze

Kovacevic, 1,90 groß, 90 Kilo schwer - "eigentlich zu schwer für einen Läufer" - macht schon seit einigen Jahren Extremsport, immer wieder auch zusammen mit Patrick Oswald. Zusammen sind die beiden 2017 aus dem Hinterland an den Edersee gelaufen, 100 Kilometer an einem Tag.

Die Idee für die USA-Reise kam Kovacevic direkt nach dem letzten großen Projekt der beiden im vergangenen September: In sechs Tagen sind sie von Kleingladenbach aus auf die Zugspitze gelaufen. Auf der Heimfahrt von der 600-Kilometer-Tour sah Kovacevic in Garmisch-Partenkirchen zwei Kinder auf einem Tretroller. Da kam er ins Nachdenken. In Frankfurt sagte er zu Oswald: "Patrick, ich hab eine neue Challenge für uns. Lass uns mal Tretroller fahren."

Bei der Fahrt sammeln die beiden Spenden für Kinder mit Krebs

Der Grund ist einfach: "Es hat noch nie einer gemacht, das ist die Motivation." Und mit ihrer Tour wollen die beiden auch Spenden sammeln, für Kinder mit Krebs. Außerdem will Kovacevic ein Zeichen setzen: "Die Menschheit ist faul geworden, das sehe ich jeden Morgen, wenn ich zum Kindergarten komme: Die Eltern hätten am liebsten einen Drive Through in den Kindergarten rein."

Dejan Kovacevic
Dejan Kovacevic hat mit seinen waghalsigen Touren schon einige Trophäen gesammelt. Bild © hessenschau.de

Bisher hat Kovacevic für eine Firma gearbeitet, die Autositze herstellt. Jetzt hat deren Standort aber geschlossen, und er muss sich überlegen, wie es weitergeht. Motivationstraining wäre was für ihn, glaubt er: "Es gibt Leute, die sind 30 und denken, ich sehe gesund aus und habe keinen Bauch – das ist aber nicht das gleiche wie fit sein." In der eigenen Familie hat er schonmal angefangen: "Ich habe meinen Vater dazu gebracht, jeden Tag Walken zu gehen."

Ein teures und zeitintensives Hobby

Die eigentlichen Kosten für den USA-Trip in Höhe von rund 7.000 Euro tragen Kovacevic und Oswald größtenteils selbst, unterstützt von Sponsoren. Denn der Sport ist für beide ein Hobby, wenn auch eins, für das auch mal der ganze Jahresurlaub draufgeht. Entsprechend waren seine Frau und die beiden Töchter "nicht erfreut" über die Idee, sagt Kovacevic.

Seine 14 Jahre alte Tochter Emily sagt, sie finde die Aktion "schon cool. Nicht jeder hat einen Papa, der sowas macht." Sorgen macht sie sich, "dass er sich verletzen könnte. Ich weiß ja wie die da fahren, auch wenn die auf dem Highway sind."

Entsprechend haben Kovacevic und Oswald auch vereinbart, auf dem Highway 500 Meter Abstand zu halten - "damit nicht beide umgefahren werden", wie Dejan Kovacevic sagt.

"Es wird hart. Es wird wehtun"

Aus Erfahrung weiß Kovacevic auch schon, was ihn in den USA erwartet: "Es wird hart. Wenig Schlaf. Es wird wehtun. Ein Tretroller ist ja kein Fahrrad, auf dem du dich entspannen kannst."

Und dann kommt noch das Problem mit dem Essen, denn um die 8.000 Kalorien verbrennt er am Tag, schätzt er. All-You-Can-Eat-Buffets oder Gummibärchen hat er schon als Energielieferanten ausgemacht, die seien besser als zum Beispiel ein Burger: "Den hast du kaum unten, da hast du schon wieder Hunger."

"Geheult wie ein kleines Kind"

Für ihn lohnt es sich, sagt Kovacevic. "Als wir damals oben auf der Zugspitze waren, habe ich geheult wie ein kleines Kind. Das werde ich am Venice Beach in Los Angeles auch wieder tun." Und dann geht es zurück in den Flieger, er wird in Biedenkopf erwartet: "Am Tag nach der Rückkehr soll ich an der Technischen Hochschule Mittelhessen einen Vortrag halten, die Landrätin hat mich eingeladen. Thema ist Motivation."

Und sein nächstes sportliches Projekt kennt er auch schon: Einen 100-Meiler, also rund 160 Kilometer innerhalb von 26 Stunden. Dann aber wieder zu Fuß.