Ein in Hessen entwickelter mobiler Schlachthof für mehr Tierwohl
Ein in Hessen entwickelter mobiler Schlachthof für mehr Tierwohl Bild © picture-alliance/dpa

Ein in Hessen entwickelter mobiler Schlachthof soll den Stress für die Schlachttiere reduzieren - und damit auch die Fleischqualität verbessern. Tierschützer begrüßen die alternative Schlachtmethode.

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Eingepferchte Tiere, unzumutbare Hygienezustände: Was Tieren auf dem Weg zum Schlachthof zugemutet wird, das fördern immer wieder Polizeikontrollen zutage. Ein in Hessen entwickelter mobiler Schlachthof soll den Tieren lange Transportwege und damit unnötigen Stress ersparen.

Am Montag wurde das Projekt "Extrawurst" auf einem Bio-Bauernhof in Witzenhausen (Werra-Meißner) vorgestellt. Das Projekt wird vom Land Hessen und der EU mit 170.000 Euro finanziert.

Es muss alles schnell gehen

Eine mobile Schlachtanlage für eine tierschutzgerechtere Tötung der Tiere
Der mobile Schlachtanhänger gleich neben dem Durchlauf, in dem das Rind betäubt wird. Bild © picture-alliance/dpa

Und so funktioniert die Anlage, die erst einmal nur für Rinder geeignet ist: Das Tier wird in einem Durchlauf mit dem Kopf fixiert und mit einem Bolzenschuss betäubt. Dann muss es ganz schnell gehen: Mit einer Seilwinde muss das bewusslose Tier binnen einer Minute in den extra dafür entwickelten Schlachtanhänger gezogen werden. Dort setzt ein Schlachter den tödlichen Schnitt. Innerhalb einer Stunde muss das Tier dann zur weiteren Verarbeitung in die Schlachterei.

Das Verfahren hat gesetzliche Gründe: Laut EU-Hygieneverordnung müssen die Tiere lebend in den Schlachthof gebracht werden. Die Vorschriften zu erfüllen und trotzdem eine Schlachtung vor Ort zu erfüllen - das war die eigentliche Herausforderung.

Ein Verbund aus hessischen Landwirten, Veterinären, Unternehmen und Behörden fand die Lösung: Der Schlachtanhänger zähle als Erweiterung des Betriebs, erklärt Ingo Franz, Dezernatsleiter beim Regierungspräsidium Kassel: "Das Verfahren ist rechtskonform im Rahmen von Ausnahmeregelungen."

Schlachtpreis verdoppelt sich

Im Werra-Meißner- und im Wetteraukreis gab es bereits die ersten Schlachtungen mit dem neuen Verfahren. Dabei wurde auch deutlich: Das Problem der Massentiertransporte wird die mobile Schlachtanlage nicht lösen. Es ist nur für einzelne Tiere geeignet und vergleichsweise teuer. Laut ersten Kalkulationen verdoppelt sich der Schlachtpreis.

Für direktvermarkende Landwirte bietet das neue Verfahren aber eine Möglichkeit, sich von der Konkurrenz abzuheben und das Tierwohl auch bei der Schlachtung im Blick zu haben. Die Schlachtung vor Ort soll bei den Tieren weniger Stresshormone ausschütten, wodurch auch das Fleisch letztlich besser schmeckt.

Tierschützer für neues Verfahren

Tierschützer begrüßten die mobile Anlage. "Das ist für mich die Lösung eines extremen Tierschutzproblems", sagt Madeleine Martin, Tierschutzbeauftragte des Landes Hessen. Sofern die Betäubung und Tötung der Tiere sachgerecht erfolge, halte man die mobile Schlachtung für die einzige tierschutzgerechte Form, erklärt der Tierschutzverband Hessen.