Jan Böhmermann

Im Prozess um die "NSU 2.0"-Drohschreiben hat am Montag TV-Satiriker Jan Böhmermann ausgesagt. Er kritisierte die Ermittlungsbehörden scharf - der Angeklagte sei nur "ein kleiner Fisch".

Videobeitrag

Video

Böhmermann kritisiert Justiz in "NSU 2.0"-Prozess

hs16_280322
Ende des Videobeitrags

Der Fernsehmoderator Jan Böhmermann hat die Ermittlungen der Justiz im Fall der "NSU 2.0"-Drohschreiben kritisiert. Es sei zwar schön, dass ein Angeklagter ermittelt sei und vor Gericht stehe, sagte er am Montag vor dem Landgericht Frankfurt. Doch interessanter und produktiver wäre es, gegen die Strukturen im Hintergrund vorzugehen.

Böhmermann hatte, ebenso wie zahlreiche Prominente, Drohschreiben erhalten. Das erste am 18. September 2020, wie er berichtete. Er wurde unter anderem mit dem Tode bedroht und als "Volksschädling" beschimpft. Er sei davon vor allem "genervt" gewesen, sagte Böhmermann.

In dem Verfahren wirft die Staatsanwaltschaft einem 54-jährigen Mann aus Berlin unter anderem Beleidigung in 67 Fällen, versuchte Nötigung und Bedrohung vor. Die Serie der Drohschreiben begann im August 2018 mit Todesdrohungen gegen die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz und ihre Familie. Die Schreiben waren mit "NSU 2.0" unterzeichnet - in Anspielung auf die rechtsextreme Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU).

"Das ist ja nicht ein einzelner Mensch"

Böhmermann legte weitere Drohmails vor, die denen, die dem Angeklagten zugeschrieben werden, in Sprache und Inhalt ähnelten. Solche Drohungen kämen von Menschen, die sich im Internet anonym zu temporären Netzwerken zusammenschlössen und gemeinsam Daten sammelten, um diese für Drohungen zu verwenden.

"Das ist ja nicht ein einzelner Mensch, der das macht", sagte der 41-Jährige. Den Tätern gehe es darum, öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen und nach innen Respekt zu gewinnen.

Audiobeitrag

Audio

Jan Böhmermann als Zeuge im "NSU-2.0"-Prozess

Ende des Audiobeitrags

Er werde dennoch privat geschützt, berichtete Böhmermann von seinem Alltag. Die Sicherheitsmaßnahmen seien "grundsätzlich hoch".

Kritik an Ermittlern

Die Strafverfolgungsbehörden hätten nicht die analytischen Fähigkeiten, die Strukturen aufzudecken. Er hoffe, dass sich das ändert, sagte Böhmermann. Der Angeklagte sei nach seiner Einschätzung kein ganz großer Fisch, "sonst säße er nicht hier". Das wiederum animierte den Angeklagten dazu, seinen Mund-Nasen-Schutz über die Augen zu ziehen. Die Vorsitzende Richterin musste ihn ermahnen.

Böhmermann erinnerte daran, dass er selbst sich unter anderem in einer Fernsehsendung im Jahr 2018 mit dem Thema auseinandergesetzt habe, für die sein Team aufwendig recherchiert habe. Der Angeklagte hat in dem Prozess bestritten, die Schreiben verfasst zu haben.

Auch Moderatorin Illner als Zeugin

Geladen war auch die Moderatorin Maybrit Illner. Sie machte darauf aufmerksam, dass die "NSU 2.0"-Schreiben mit den Todesdrohungen an ihre gesamte Redaktion eine andere Dimension hatten als die Drohungen, mit denen Personen des öffentlichen Lebens sowieso leben müssten.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen