Am Bahnhof in Langen ist ein Mann zusammengeschlagen und schwer verletzt worden - offenbar weil er bei einer antisemitischen Attacke einschreiten wollte. Von dem mutmaßlichen Pöbel-Opfer fehlt aber jede Spur.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bericht über Angriff auf Mann in Langen

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Der Vorfall spielte sich am vergangenen Mittwoch am Bahnhof von Langen (Offenbach) ab: Ein junger Mann soll einen älteren Mann erst antisemitisch beschimpft und dann zu Boden gestoßen haben. Das Opfer ist danach offenbar unverletzt in einen Zug gestiegen und weggefahren.

Schlechter erging es einem 48-Jährigen aus Langen. Er wollte einschreiten und wurde dann selbst von dem Angreifer niedergeschlagen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag berichteten. Der attackierte Mann wurde schwer im Gesicht und an den Händen verletzt. Den mutmaßlichen Täter, einen 27 Jahre alten Deutschen, konnte die Polizei noch am Bahnhof festnehmen.

Zuerst hatte die Offenbach-Post über den Fall und den möglichen antisemitischen Hintergrund berichtet. Der 48-Jährige hatte sich bei der Zeitung gemeldet und den Fall aus seiner Sicht geschildert. Auf dessen Darstellung stützen sich bisher auch die Ermittler.

Keine Spur vom Opfer

Das Problem der Polizei: Das Opfer der möglichen judenfeindlichen Attacke hat sich trotz öffentlichen Aufrufs noch nicht bei der Polizei gemeldet. Ob es sich wirklich, wie die Zeitung schreibt, um einen etwa 80 Jahre alten Juden handelt, "der nach ersten Erkenntnissen Rabbi sein könnte", ist deshalb noch unklar.

Der tatverdächtige Deutsche, der auch kamerunische Wurzeln hat, befindet laut Staatsanwaltschaft derzeit in Untersuchungshaft. Von ihm gehe eine Wiederholungsgefahr aus, denn er sei auch schon in der Vergangenheit durch Gewaltdelikte aufgefallen - allerdings nicht durch antisemitisch oder rechtsextrem motivierte. Zur Tatzeit hatte er laut Polizei 2,9 Promille Alkohol im Blut.

Haben Reisende weggesehen?

Trotz aller Unklarheiten zieht der Vorfall schon als antisemitischer Übergriff seine Kreise. So hat etwa die Informationsstelle Antisemitismus in Kassel den Zeitungsbericht über Twitter weiterverbreitet, ebenso wie die Frankfurter Stadtverordnete Jutta Ditfurth (ÖkoLinx - Antirassistische Liste).

Ein alter jüdischer Mann wurde am Bahnhof von #Langen ( #Hessen ) beleidigt und körperlich angegriffen. Ein Mann, der ihm helfen wollte, wurde schwer verletzt. Es geschah am helllichten Tag, 15-20 Menschen sahen weg, sie halfen nicht. #Antisemitismus https://t.co/cm4sGI5HA7

[zum Tweet]

Den Zorn vieler Twitter-Nutzer erregt vor allem ein Detail des Zeitungsberichts: Die Menschen auf dem Bahnsteig hätten bei dem möglichen antisemitischen Übergriff weggeschaut, nur der 48-Jährige habe eingegriffen. Aber auch das müssen die Ermittler noch aufklären und bitten deshalb um Hinweise unter der Telefonnummer: 069/8098-1234.