Molotov Cocktail
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Kurz nach der Veröffentlichung eines türkeikritischen Krimis explodiert ein Molotowcocktail vor dem Haus des Kasseler Schriftstellers Matthias Gibert. Der Staatsschutz glaubt an ein politisches Motiv.

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Es ist die Nacht auf den 21. September, in der Matthias Gibert einen lauten Knall vor seinem Haus hört. Als der Schriftsteller die Tür öffnet, blickt er "in ein Flammenmeer", wie der Wahl-Kasseler dem hr berichtet. Auf der Treppe war ein Molotowcocktail explodiert. Rundherum liegen Flugblätter, die unter anderem türkische Fahnen zeigen. Das Feuer greift zum Glück nicht auf das Haus über, doch die Polizei nimmt den Vorfall sehr ernst: Die Ermittler haben den Staatsschutz eingeschaltet.

Die Polizei vermutet einen politischen Hintergrund der Tat. Denn: Wenige Wochen zuvor hatte Gibert einen Thriller unter dem Titel "Tödlicher Befehl" veröffentlicht. Darin soll der türkische Geheimdienst im Auftakt eines – fiktiven – Staatspräsidenten regierungskritische Deutsch-Türken verfolgen und ermorden. "Ich vermute, dass ein Anhänger des tatsächlichen Staatspräsidenten sich beleidigt fühlt. Vielleicht sieht er auch den Staatspräsidenten beleidigt. Was anderes kann ich mir nicht erklären", sagt Gibert.

Mit Kritik am Inhalt seiner Bücher könne er durchaus gut leben, so der Schriftsteller. "Aber nachts mit einem Brandanschlag konfrontiert zu sein – das macht mich einfach wütend."

"Wenn ich kapituliere, dann haben die gewonnen"

Derzeit veranstaltet Gibert öffentliche Lesungen zu seinem Thriller. Immer mit dabei: die Polizei. "Wir schauen, welche Maßnahmen des Opferschutzes möglicherweise erforderlich sein könnten", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen.

Einschüchtern lassen will sich der aus Königstein im Taunus stammende Autor nicht. So ging er nun selbst an die Öffentlichkeit, obwohl die Polizei ihm aus Sicherheitsgründen davon abriet. "Wenn ich mich zurückziehe, wenn ich kapituliere, dann haben die gewonnen, die einfach Furcht und Aggression verbreiten wollen", sagt Gibert. "Und das möchte ich nicht."