Angeklagter im Mordfall Johanna wird von einem Justizbeamten in den Gerichtssaal geführt
Dem Angeklagten im Mordfall Johanna droht eine lebenslange Haft. Bild © picture-alliance/dpa

Fast 20 Jahre nach dem gewaltsamen Tod der kleinen Johanna aus Ranstadt steht der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter vor dem Abschluss. Während die Anklage auf lebenslange Haft plädiert, sieht die Verteidigung kein Mordmerkmal.

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Der mutmaßliche Johanna-Mörder im Gespräch mit seinem Verteidiger

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Plädoyers im Fall Johanna

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Jetzt haben die Richter das letzte Wort. Am 19. November soll das Urteil im Fall der 1999 getöteten Johanna Bohnacker aus Ranstadt (Wetterau) fallen. Die Vorstellungen über das Strafmaß gegen den 42 Jahre alten Angeklagten gehen dabei weit auseinander: Während die Staatsanwaltschaft und Nebenklage am Freitag vor dem Gießener Landgericht eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes forderten, sprach sich die Verteidigung für eine Verurteilung wegen Totschlags aus.

Besondere Schwere der Schuld

Der Angeklagte habe sich in "ganz besonders egoistischer Weise über den Lebensanspruch" des Mädchens hinweggesetzt, sagte der Anklagevertreter in seinem Plädoyer. Nach dem Willen der Staatsanwaltschaft soll das Gericht zudem eine besondere Schwere der Schuld feststellen, was eine vorzeitige Haftentlassung ausschließen würde.

Die Verteidigung sieht dagegen kein Mordmerkmal gegeben. Vielmehr sollte der 42-Jährige wegen Totschlags verurteilt und wegen seines Drogenkonsums in einer Entziehungsklinik untergebracht werden.

Trotz Drogen voll schuldfähig

Der mutmaßliche Täter aus Friedrichsdorf (Hochtaunus) soll 1999 die damals achtjährige Johanna in sein Auto gezerrt, missbraucht und getötet haben. Die Anklage geht davon aus, dass das Kind erstickte. Der Angeklagte räumte die Entführung ein, stellte den Tod des Kindes aber als Unfall dar. Er stand am Tattag nach eigenen Angaben unter Drogeneinfluss. Ein Gutachter hält den Mann allerdings für voll schuldfähig.

Ermittlungen in einem anderen Missbrauchsfall hatten die Polizei nach Jahren auf die Spur des Angeklagten gebracht, festgenommen wurde er im Oktober 2017. Der Fall Johanna gilt als eines der Aufsehen erregendsten Verbrechen der hessischen Kriminalgeschichte.