Eine Hinweistafel an einem Sitzungssaal im Landgericht Wiesbaden.
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Für die Nebenklage schreit alles nach einer Verurteilung, die Richter am Wiesbadener Landgericht sehen das allerdings anders. Ihnen fehlen klare Beweise dafür, dass ein Ehemann 1997 seine Frau mit Hilfe seiner Geliebten umgebracht haben soll. Das Urteil lautet deswegen: Freispruch.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Mordprozess: Freispruch aus Mangel an Beweisen

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Im Prozess um einen Mord vor mehr als 20 Jahren hat das Wiesbadener Landgericht die beiden Angeklagten am Donnerstag freigesprochen. "Es sei ein zäher Prozess der Abwägung gewesen," sagte der Vorsitzende Richter. In dem Indizienprozess habe es keine unzweifelhaften Beweise für einen Schuldspruch gegeben - trotz widersprüchlicher Aussagen. Gegen das Urteil ist Revision möglich.

Ehefrau soll aus Habgier umgebracht worden sein

Einem Mann und seiner Geliebten war vorgeworfen worden, im Oktober 1997 die Ehefrau des Angeklagten umgebracht zu haben, um an ihr Vermögen zu kommen. Der Fall war schon einmal zu den Akten gelegt worden. Doch DNA-Nachweise brachten die Ermittler 2017 auf die Spur des Liebespaars. Konkret sollten die beiden Angeklagten die damals 32 Jahre alte Ehefrau in Lorch (Rheingau-Taunus) betäubt und in der Badewanne ertränkt haben.

Das Opfer wollte sich laut Staatsanwaltschaft scheiden lassen. Schon kurz nach der Tat war im Blut der Toten ein Schlafmittel nachgewiesen worden. Außerdem hatte die Frau Verletzungen - vermutlich infolge von Schlägen. Eine Obduktion hatte keine Hinweise auf eine Straftat erbracht. Der Mann des Opfers, damals Polizist, gab an, mit seiner Geliebten in einem Hotel gewesen zu sein.

Tat nicht zweifelsfrei nachzuweisen

Weil klare Beweise fehlten, hatte die Staatsanwaltschaft schon auf Freispruch für die beiden Angeklagten plädiert. Die Verteidigung schloss sich an. Die Vertreter der Nebenklage hatten dagegen in ihren Schlussvorträgen betont, die Indizien würden nach einer Verurteilung schreien.