Tote im Niddapark

Zehn Monate nach dem Tod einer Frau im Frankfurter Niddapark hat die Staatsanwaltschaft Mordanklage gegen Szene-Gastronom Jan M. erhoben. Aus Habgier soll er seine Geschäftspartnerin mit 21 Messerstichen getötet haben.

Wegen Mordes und Raubes mit Todesfolge hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Dienstag Anklage gegen den 51 Jahre alten Jan M. erhoben. Der Frankfurter Barbetreiber wird verdächtigt, am 8. Mai 2018 seine 29 Jahre alte Geschäftspartnerin aus Habgier und zur Ermöglichung einer Straftat heimtückisch getötet zu haben.

Der 51-Jährige soll sich mit der Frau unter einem Vorwand im Niddapark verabredet haben. Angeblich sollte das Treffen der Begleichung seiner Schulden dienen. Bei dem gemeinsamen Spaziergang soll er der ahnungslosen Frau mit einem Messer "mindestens 21 kräftige Stiche in Brust, Kopf und Nacken versetzt haben", teilte die Staatsanwaltschaft Frankfurt mit. Dabei durchtrennte er die Halsadern der 29-Jährigen. Der starke Blutverlust und eine Lungenembolie führten zum Tod der Frau.

Jan M. konnte Schulden nicht zahlen

Den Grund für die tödliche Attacke sieht die Anklage in den immer drängenderen Rückzahlungsforderungen der Frau, denen Jan M. nicht nachkommen konnte.

Nach der Tat soll der 51-Jährige seine Geschäftspartnerin auf eine angrenzende Wiese gezogen haben. Es stahl der Toten dann noch ihre wertvolle Uhr, einen Diamantring und ihre Autoschlüssel. Drei Tage später wurde er festgenommen und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft.

Mutmaßlicher Täter und Opfer erfanden Sexmob

Das Opfer Irina A., die zwei Kinder hinterließ, und der mutmaßliche Täter Jan M. standen Anfang 2017 im Zentrum eines Falschaussage-Skandals um einen erfundenen Sexmob. Die beiden hatten im Gespräch mit einem Journalisten behauptet, bis zu 50 arabischstämmige junge Männer hätten in der Silvesternacht in der Innenstadt Frauen belästigt, Schlägereien angezettelt und Gäste beklaut.

M. hatte die Vorwürfe erhoben und in einer Vernehmung bei der Polizei bestätigt. Die mitangeklagte A. hatte behauptet, man habe ihr zwischen die Beine und an die Brüste gegriffen. Später stellte sich heraus, dass A. in der Nacht gar nicht in Frankfurt war, und dass bei der Polizei auch keine Notrufe zur fraglichen Zeit eingegangen waren. Im November 2017 erhob die Staatsanwaltschaft Klage wegen Vortäuschens einer Straftat.

Verstoß gegen das Waffengesetz

Jan M. wird außerdem ein Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Er soll im Besitz einer scharfen halbautomatischen Pistole gewesen zu sein, obwohl ihm bereits im Juli 2014 aufgrund unsachgemäßer Aufbewahrung von Waffen und Munition sämtliche waffenrechtlichen Erlaubnisse durch das Ordnungsamt entzogen worden waren.

Diese Waffe soll er kurz vor seiner Festnahme in seiner unmittelbaren Nachbarschaft auf einem Grünstreifen abgelegt haben. Dort wurde sie am 14. Mai 2018 mit sechs Patronen Munition gefunden.

Verdacht des mehrfachen Betrugs

Zudem ist Jan M. verdächtig, einen langjährigen Geschäftspartner mehrfach betrogen zu haben. Unter der jeweiligen Vorspiegelung, gemeinsam eine Bar bzw. ein Café zu übernehmen, soll er seinen Partner dazu gebracht haben, ihm im September 2015, Juli 2016 und November 2017 insgesamt 120.000 Euro zu überweisen. Das Geld soll der 51-Jährige aber nicht zur Investition der vermeintlich geplanten Geschäftsprojekte, sondern für private Zwecke verwendet haben.

Einem weiteren Geschäftspartner soll er im Dezember 2016 eine von ihm betriebene Bar zum Kauf angeboten und mittels einer gefälschten betriebswirtschaftlichen Aufstellung ein lukratives Geschäft vorgetäuscht haben.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 19.03.2019, 19.30 Uhr