Foto einer Gerichtsverhandlung. Ein Justizbeamter nimmt dem Angeklagten die Handschellen ab. Die Richter nehmen Platz.

Ein Mann hilft einem anderen bei einem Computer-Problem, dann wird er angegriffen und lebensbedrohlich verletzt. Im Prozess am Landgericht Fulda hat nun der Angeklagte ausgesagt.

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Aussage von Angeklagtem zu versuchtem Mord mit Fleischklopfer

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Es war ein massiver Gewaltausbruch mit einem Fleischklopfer und einem Messer. Ein 44 Jahre alter Mann kam dabei im vergangenen Sommer in Fulda fast ums Leben. Nun muss sich der geständige Täter in einem Prozess wegen versuchten Mordes verantworten.

Am Donnerstag schwieg der Angeklagte beim Verhandlungsauftakt am Landgericht Fulda. Am Freitag aber gab der 57-Jährige eine Stellungnahme ab. Er sagte, er habe sich von seinem Freund (44), den er aus lauter Verzweiflung so brutal attackierte, im Stich gelassen gefühlt.

Der 44-Jährige sei der einzige gewesen, der ihm während der Corona-Pandemie helfe - beim Einkaufen, bei Arztbesuchen und auch in technischen Fragen. Diesmal führten sie aber zu einem folgenschweren Eklat.

Treffen unter Freunden gerät völlig außer Kontrolle

Was war passiert? Zunächst sieht am 16. Juli vergangenen Jahres alles nach einem normalen Treffen unter Freunden aus. Der 44-Jährige besucht den 57-Jährigen in seiner Wohnung in der Leipziger Straße. Die beiden Männer kennen sich von der Arbeit. Und der Ältere bittet den Jüngeren, ihm am Computer zu helfen. Das Passwort des Routers soll geändert werden.

Als sich der Helfer ans Werk macht, geht der Gastgeber bald darauf in die Küche und holt unbemerkt einen Fleischklopfer und ein Messer. "Aus unbekanntem Grund", wie Oberstaatsanwältin Christine Seban am Donnerstag in der Anklageschrift am Donnerstag verliest. Als er ins Wohnzimmer zurückkehrt, geht er ohne ein Wort zu verlieren und mit einem "Lächeln im Gesicht" auf das Opfer zu und beginnt die brutale Attacke.

Der Täter versetzt dem Opfer mehrere Schläge mit dem Fleischklopfer auf den Kopf. Mit dem Messer fügt er ihm Stiche und Schnitte am Oberkörper zu.

Blutend vor Apotheke zusammengebrochen

Der Angriff sei für den 44-Jährigen vollkommen unvermittelt erfolgt, urteilt die Oberstaatsanwältin. Der Täter habe die Arg- und Wehrlosigkeit seines Opfers ausgenutzt und den Tod billigend in Kauf genommen.

Das Opfer konnte sich dennoch aus dem Haus retten und schleppte sich zu einer nahe gelegenen Apotheke auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Dort brach der blutende Mann zusammen. Nur durch das rasche Eingreifen eines im selben Haus ansässigen Arztes sowie der schnellen Behandlung durch einen Notarzt und das Personal im Klinikum Fulda sei das Leben des Mannes gerettet worden. Diverse Wunden an Kopf und Oberkörper mussten behandelt werden, wie es in der Anklage hieß.

Angreifer war offenbar nüchtern

Der Angreifer konnte noch am gleichen Tag festgenommen werden. Gegenüber Polizisten räumte er die Tat zwar unumwunden ein. "Eine Erklärung für sein Handeln konnte er aber nicht nennen", sagte Oberstaatsanwältin Seban am Donnerstag.

Am Freitag, dem zweiten Prozess-Tag, versucht der Anklage selbst Erklärungen zu liefern: Als die beiden das Computer-Problem lösen wollen, kommt es zum Streit. Der Angeklagte wirft dem Helfer vor, er hätte ihm vorher sagen sollen, dass er sein Router-Passwort parat haben müsse. Er sei verzweifelt und überfordert gewesen, weil er das Passwort nicht habe finden können. Da habe er den Fleischklopfer und ein Messer aus der Küche geholt und habe ihn attackiert.

Kontrollverlust: Fernsehen und Computer lebenswichtig

Der Angeklagte beteuerte vor Gericht: Er habe ihn nur bedrohen, aber nicht töten wollen. Er habe die Nerven verloren, weil der Fernseher und Computer für ihn lebenswichtig seien. Wegen der Corona-Pandemie habe er seine Wohnung kaum verlassen. Durch die lange Zeit der Isolation sei er außer Kontrolle geraten. Es tue ihm sehr leid.

Alkohol oder Drogen hätten bei dem Gewaltausbruch keine Rolle gespielt, sagte Seban. Der Angreifer sei nüchtern gewesen, wie Untersuchungen ergaben. Das wird noch wichtig werden für die Beurteilung der Schuldfähigkeit und das Strafmaß bei einer möglich Verurteilung.

Ein Urteil im Prozess wird Anfang Februar erwartet. In den kommenden Wochen sind noch vier Fortsetzungstermine anberaumt.

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