Stephan E. – Verdächtiger im Fall Lübcke

Hat Stephan Ernst den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke erschossen? Laut Bundesgerichtshof ist das weiterhin "hochwahrscheinlich" - trotz dessen geänderter Aussage.

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Stephan Ernst wird von Polizisten dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe überstellt.
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Im Mordfall Lübcke halten die Ermittler den Hauptverdächtigen Stephan Ernst weiterhin für den Todesschützen - auch nach dessen geänderter Aussage. Das geht aus einem Beschluss des Bundesgerichtshofs (BGH) vom 3. März hervor, der am Montag in Karlsruhe veröffentlicht wurde.

Demnach sei Ernst "nach wie vor hochwahrscheinlich" für den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke verantwortlich. Ernsts früheres Geständnis füge sich "in die Spurenlage am Tatort ein".

Ernst beschuldigt einen mutmaßlichen Komplizen

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke war Anfang Juni 2019 nachts auf seiner Terrasse erschossen worden. Die Bundesanwaltschaft geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus. Der CDU-Politiker war für die Aufnahme von Flüchtlingen eingetreten.

Der Hauptverdächtige Stephan Ernst hatte die Tat zunächst gestanden, im Juli 2019 sein Geständnis widerrufen und im Januar schließlich in einer neuen Aussage seinen mutmaßlichen Komplizen Markus H. beschuldigt, den tödlichen Schuss versehentlich abgegeben zu haben. Laut Ernst hätten sie den Politiker mit vorgehaltener Waffe nur einschüchtern wollen, dann habe sich der Schuss gelöst.

Ermittler fanden ausschließlich DNA von Ernst

Das halten die Ermittler dem BGH-Beschluss zufolge nicht für glaubhaft. So sei an der Tatwaffe und der Munition ausschließlich DNA von Stephan Ernst gefunden worden. Auch der bei der Obduktion festgestellte Verlauf des Schusskanals spreche eher für die These, dass der Täter sich Lübcke unbemerkt näherte. Dazu passe auch, dass Lübcke laut einem Zeugen nach der Tat noch seine Zigarette in der Hand gehalten habe.

Der 43 Jahre alte Neonazi Markus H. ist aber nach wie vor der Beihilfe zum Mord dringend verdächtig. Er soll Ernst in seinem Willen, Lübcke zu töten, bestärkt haben - etwa durch gemeinsame Schießübungen oder die Teilnahme an politischen Demonstrationen, wie es in dem neuen BGH-Beschluss heißt. Er bleibe deshalb ebenfalls in Untersuchungshaft.

Zweites Verfahren gegen Ernst

In dem Fall will die Bundesanwaltschaft demnächst Anklage erheben. Der Prozess soll am Oberlandesgericht Frankfurt stattfinden.

Gegen Stephan Ernst läuft derweil ein zweites Verfahren wegen versuchten Mordes. Nach Informationen von NDR und Spiegel wird Ernst verdächtigt, vor 17 Jahren auf das Haus eines Nazi-Gegners in Kassel geschossen zu haben. Der damals 48-jährige Lehrer, dem die Schüsse galten, blieb unverletzt.

Sendung: hr1, 09.03.2020, 12 Uhr