Bildkombo Verdächtiger (verpixelt), Vereinshaus

Stephan E., der beschuldigt wird, den Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke erschossen zu haben, war offenbar Mitglied in einem Schützenverein im Kreis Kassel. Dort zeigte man sich erschüttert. Zugang zu Schusswaffen habe E. als Bogenschütze aber nicht gehabt.

Im Mordfall Walter Lübcke erhärtet sich der Verdacht gegen den am Wochenende in seinem Wohnhaus festgenommenen Stephan E. aus Kassel. Ein Nachbar schilderte gegenüber dem hr die Festnahme. Dabei sei der Verdächtige auf dem Boden fixiert worden. Das Ganze sei "sehr lautstark" vonstatten gegangen.

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Wie sich jetzt herausstellte, war der 45-Jährige E. offenbar Mitglied in einem Schützenverein in Niestetal-Sandershausen (Kassel). Am Montagabend hatte die antifaschistische Recherche-Plattform "EXIF" darüber berichtet.

Nach ARD-Informationen handelt es sich bei einem auf der Internetseite des Vereins abgebildeten Mitglied um den Verdächtigen. Ein Vorstandsmitglied konnte das im Gespräch mit hessenschau.de zwar zunächst nicht bestätigen, sprach am Montagabend aber von einer "menschlichen Enttäuschung", sollte sich der Verdacht bewahrheiten.

Kein Zugang zu Schusswaffen, keine Waffenbesitzkarte

Seinen Vereinskollegen beschrieb das Vorstandsmitglied als ruhigen und freundlichen Menschen, der mit seiner Frau und zwei Kindern unauffällig gelebt habe. Im Verein habe er nur mit dem Bogen geschossen und keinen Zugang zu Schusswaffen gehabt. Es fehlten im Bestand des Vereins auch keine Waffen.

Der Mann sei seit 2010 oder 2011 Mitglied im Verein. Nach Informationen des WDR hatte er keine Waffenbesitzkarte, soll aber Interesse gezeigt haben, diese zu erwerben. Auf der Internetseite des Vereins wurde E. inzwischen gelöscht. Dort war er zuvor als "Referent Bogen" zu sehen gewesen.

Kontakte in die rechte Szene

Stephan E. werden enge Kontakte in die rechtsradikale Szene nachgesagt. So soll er mit dem Anführer der rechtsextremistischen Gruppierung "Combat 18" (C 18) in Kassel bekannt sein.

Mehrfach kam E. mit dem Gesetz in Konflikt. In den 1990er-Jahren saß er wegen des Angriffs auf ein Asylbewerberheim in Hohenstein (Rheingau-Taunus) in Haft. Auf einer Bahnhofstoilette in Wiesbaden soll er außerdem einen Mann lebensgefährlich mit einem Messer verletzt haben.

Bundesanwaltschaft ermittelt

Lübcke war Anfang Juni vor seinem Wohnhaus in Wolfhagen (Kassel) erschossen worden. Wegen des vermuteten rechtsterroristischen Hintergrunds hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen.

Sendung: hessenschau, 17.6.2019, 19.30 Uhr